Eine Typologie der Berührungen Die Umarmung

Von Veronika Wulf

Jeder zweite Berufstätige hat im Büro bereits dauerhafte Freunde gefunden, hat eine Studie des Berufsnetzwerks Xing ergeben. Angenommen, man umarmt diese Kollegen, wenn man sie abends zum Biertrinken trifft; sollte man sie auch zur Begrüßung am Arbeitsplatz umarmen? "Auf jeden Fall nicht vor Kundschaft", sagt Business-Knigge-Coach Inge Wolff. Das sei jedoch davon abhängig, in welcher Branche man arbeite und was der Kunde erwarte. Sie bringt das Beispiel Kundengespräch in der Bank: Ein Kunde will sein Geld anlegen und ist mit einem Berater im Gespräch. Der kann eine Frage nicht alleine beantworten und holt einen Kollegen hinzu. "Wenn die sich dann erst mal brüderlich-schwesterlich umarmen, werde ich unterschwellig das Gefühl kriegen: Oh Gott, hoffentlich ziehen die mich nicht über den Tisch", sagt Wolff.

Doch auch innerhalb der Abteilung einer Firma müsse man aufpassen mit Umarmungen. "Wenn sich in einem Team von etwa acht bis zehn Leuten zwei Menschen zur Begrüßung umarmen, der Rest aber nur ein Abklatschen oder einen Händedruck bekommt, dann ist das auch ungünstig, weil es die anderen zurücksetzt", sagt Wolff. Anders ist es, wenn man neu in ein Team kommt, und sich alle zur Begrüßung umarmen. Arbeits- und Organisationspsychologin Mareike Schmidt sagt: "Dann ist es meine Entscheidung, ob ich zur In-Group gehören will - dann sollte ich offen dafür sein - oder ob ich ein Außenseiter bleiben will." Doch auch hier entsteht durch das Umarmen sozialer Druck.