Eine Typologie der Berührungen Der Antipper

Von Veronika Wulf

Gerade in Großraumbüros stellt sich häufig die Frage: Wie spricht man jemanden an, der konzentriert auf den Bildschirm schaut, womöglich mit Kopfhörern auf den Ohren? Business-Knigge-Coach Inge Wolff rät davon ab, die Person anzutippen oder ihr gar von hinten die Hände auf die Schultern zu legen. "Das kann ganz stark schiefgehen", sagt sie. Denn dabei kämen gleich zwei Dinge zusammen, die für die sitzende Person unangenehm sein können: "Alles, was von hinten kommt, erschreckt uns, weil das unsere Fluchtseite ist und wir nichts sehen können", sagt Wolff. Dazu komme die unterschiedliche Augenhöhe. "Wenn eine Person sitzt und die andere steht, fühlt sich die sitzende Person unbewusst sehr schnell unterlegen." Wolff empfiehlt, sich so zu nähern, dass man im Blickfeld steht - also von vorne.

Doch selbst ohne dass die Hände im Spiel sind, kann das Über-die-Schulter-schauen schnell missverstanden werden. Das erfährt Susanne Helbach-Grosser regelmäßig von den Teilnehmerinnen ihrer Seminare zu Business-Etikette. "Ganz oft passieren Distanzverletzungen, wenn sie am Bildschirm sitzt, ihr ein Kollege oder Vorgesetzter über die Schulter schaut und dabei so nah kommt, dass er sie an mehreren Stellen am Körper oder im Schulterbereich berührt", sagt Helbach-Grosser. Auch wenn der Kollege es nicht merke, sei es unsensibel. Viele Frauen empfänden das als unangenehm und wüssten sich nicht zu wehren. "Man kann dann zum Beispiel sagen: Holen Sie sich doch einen Stuhl", empfiehlt Helbach-Grosser.