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Dual Career Service:Karriere nicht ohne meinen Partner

Wer Spitzenkräfte anlocken will, muss auch an deren Partner denken. Die wollen ihre eigene berufliche Laufbahn nicht aufgeben. Unternehmen und Hochschulen fördern deshalb inzwischen Paare im Doppelpack.

Kind oder Karriere - oder doch beides? Wer in jedem Lebensbereich erfolgreich sein will, braucht meist einen starken Partner, der einem den Rücken freihält. Es ist schwer genug, die eigene Karriere zu planen - im Team als Paar über den beruflichen Aufstieg nachzudenken, scheint nahezu unmöglich.

FAMILIENRAD

Nur gemeinsam geht es vorwärts: Paare, die Familie und Beruf gleichermaßen vereinen wollen, müssen gemeinsam planen. Der Dual Career Service hilft dabei.

(Foto: AP)

Ist es aber nicht, bestätigt eine Studie der TU München und des Deutschen Jugendinstituts.

Waltraud Cornelißen vom Deutschen Jugendinstitut untersuchte zusammen Nina Bathmann und Dagmar Müller im Projekt Karriereverläufe von Frauen - Paardynamiken und institutionelle Rahmungen in der Rush Hour des Lebens die Karrieren von Frauen. Befragt wurden Paare, die ursprünglich die gleiche Ausgangsposition beim Start ins Berufsleben hatten: gute Ausbildung, Praktika, oft Auslandserfahrung. Danach entwickelten sich ihre Lebensläufe in unterschiedliche Richtungen.

In der Studie kristallisierten sich drei Karriere-Typen heraus, die ungefähr gleich stark in der Stichprobe vertreten waren: "Ein Teil der Paare entschied sich für die Priorisierung der männlichen Karriere, obwohl die Frauen genauso viel in ihre Ausbildung investiert hatten. Der Knackpunkt war oft die Geburt eines Kindes", sagt Cornelißen.

Bei Paaren, denen es gelang, sowohl Kind und Karriere zu haben, lag es laut der Erhebung oftmals daran, dass die Frauen ebenfalls das männliche Karrierekonzept verfolgten: Sie nahmen nur eine sehr kurze Elternzeit in Anspruch, kehrten kurz nach der Geburt zurück ins Berufsleben und ließen ihre Kinder in Krippen oder von Tagesmüttern betreuen. "Diese Gruppe verfügt oftmals über genug Geld, um sich über die Kinderbetreuung keine Gedanken machen zu müssen", sagt Cornelißen.

Ungefähr ein Drittel der Befragten lebt der Studie zufolge nach einem "modernen Muster" und verfolgt das Prinzip Dual Care -Dual Career. "Hier wird die Sorgearbeit geteilt, aber keiner gibt seine Karriere auf. Mal steckt der eine Partner beruflich zurück, weil bei dem anderen eine neue Karrierestufe ansteht, mal ist es umgekehrt", analysiert Cornelißen. Sie glaubt, dass diese drei Karrieremuster in Paarbeziehungen kein Zufall sind, sondern das Ergebnis oft wenig reflektierter Paar- , Geschlechter- und Elternschaftskonzepte.

Wer sich für die Dual Career entscheidet, muss auch gemeinsam planen. Das sei vielen Paaren nicht bewusst. "Über viele Aspekte wird gar nicht gesprochen, sie geschehen einfach gewohnheitsbedingt. Dass die Frau Elternzeit nimmt, ist meistens selbstverständlich", erklärt Cornelißen. Dabei seien genau jene Paare am erfolgreichsten, die versuchen, Win-win-Situationen zu gestalten: Wenn der Mann beruflich ins Ausland geht, überlegt seine Frau, wie sie die Zeit dort für ihre persönliches berufliches Weiterkommen nutzen kann - und umgekehrt.

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