bedeckt München
vgwortpixel

Doktortitel kaufen:"Ihr Doktortitel. Legal. Anerkannt. Führbar"

Ein paar Tage später schickt ein Dr. Wolfgang Haser (Name geändert) seine Telefonnummern. Wenn man den mit verschlüsselter Nummer anruft, hebt er erst mal nicht ab. Also unverschlüsselt. Er ist sofort Herr des Verfahrens.

"Sie haben ja mit Professor Buhl gesprochen, ist das richtig?" Lustig, diese Herren pflegen, scheint's, mit vollem Titel übereinander zu reden. Wie korrekt!

"Ja. Er hat mich an Sie verwiesen. Ich will einen Doktor."

"Sie wollen ordentlich promovieren. Da müssen Sie vorsichtig sein mit den Formulierungen. Sie kennen ja die Medienberichte über Guttenberg." Das Gespräch dauert gut zehn Minuten. Es ist gut, sich vorher eine Vita zurechtzulegen: Magister in Geschichte, die Arbeit schreiben lassen von einem Freund, der inzwischen untergetaucht ist, Bedarf an einem deutschen Doktortitel, weil alle anderen in der Firma auch Doctores sind, Geld ist ausreichend vorhanden. Dr.Haser kommt schnell zur Sache, er spricht den Kunden mit "Herr Kollege" an.

Man darf nicht zu neugierig sein

Er dürfe nur Empfehlungen aussprechen, das heißt, den Kunden bei einem Doktorvater unterbringen, mehr nicht. Dann sei seine Arbeit erledigt. Er könne sich vorstellen, die Angelegenheit an einer bestimmten Berliner Uni in einem politischen Fach zu platzieren. Die Frage, ob er dort bereits Promotionen vermittelt habe, bleibt unbeantwortet, man darf nicht zu neugierig sein, Dr. Haser ist sensibilisiert - die Medien, Guttenberg.

Kosten? "Sie leisten eine Anzahlung, die sich im Bereich von 7000, 8000 Euro bewegt, können auch 9000 werden." Wenn alles abgeschlossen ist, fallen nochmal 6000 bis 7000 an. Man wird immatrikuliert und bekommt ein Thema gestellt. "Für die Doktorarbeit sind Sie selbst verantwortlich. Es gibt keine Gewähr, dass alles glattläuft, das liegt an Ihnen."

"Hm, die Dissertation. Gibt es denn Leute, die einem die Arbeit schreiben?"

"Dafür müssen Sie sich einen Geistschreiber nehmen. In der Regel nehmen die 20000 Euro. Da haben Sie aber keine Gewähr, dass Sie an der Uni durchkommen." Und wieder: Er könne einen Ghostwriter nur empfehlen, mehr könne und dürfe er nicht. "Aber warum", fragt er, "gehen Sie denn nicht zu Professor Buhl und nehmen einen Ehrendoktor?" - "Das ist ja auch nicht wesentlich billiger. Und Kirgistan, na ja." Wir vertagen uns.

"Die Betrüger lauern überall"

Vor zwei Jahren flogen in Deutschland Professoren auf, die solche Geschäfte machten. Sie bekamen Ärger mit Staatsanwälten. Der Promotionsberater Dr. Haser ist vorsichtig - und er warnt vor dem Risiko. Wahrscheinlich sind die Dienste, die er anbietet, nicht einmal illegal. Probleme können jedoch die Kunden bekommen. Und die akademischen Betreuer.

Scientia nobilitat. Wissenschaft adelt. Mit dieser Losung hat Haser die Homepage seines Instituts für Akademische Zusammenarbeit geschmückt. Auf der Unterseite "Die Betrüger lauern überall" steht: "Es gibt wohl kaum ein legales Geschäftsgebiet, auf dem sich so viele Betrüger tummeln wie in der Promotionsberatung." Einen Klick weiter unter "Vertragsgestaltung" heißt es: "Im Regelfall schließen wir keine schriftlichen Verträge ab, sondern betreuen unsere Klienten per Handschlag." Und zum Risiko: "In Deutschland liegt die Erfolgsquote für Doktoranden weit unter 50 Prozent."

Am Ende des Telefonats ordnet Dr. Haser an, dass man sich an keinen anderen Promotionsberater mehr wenden soll. "Denn am Ende landen immer alle bei mir, wenn es ums Promovieren geht."

Okay.

Ab nach Paraguay

Es ist am Ende wohl sinnvoller, sich mit dem billigen Ehrendoktor aus Miami zu begnügen. Man ist damit zwar nur ein besserer Faschingsprinz, weil jeder deutsche Standesbeamte lauthals lachen würde, wollte man den Titel in den Pass eintragen lassen. Aber immerhin hat die MLDC einen Bestellbogen für Visitenkarten mitgeschickt. Und eine Rechtsbelehrung, versehen mit einem Tipp: "Man erwerbe einen kirchlichen Doktortitel und wandere nach Paraguay aus. Dort bleibt man zwei Jahre und beantragt die Staatsbürgerschaft. Wird diese gewährt, gibt es einen paraguayischen Pass. Paraguay erkennt den Dr. an, und wenn man nach Deutschland reist, muss Sie jeder mit Dr. ansprechen." So einfach ist das. Also, ab nach Paraguay.