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Doktorarbeit in der Kritik:Plagiatsverdacht gegen Althusmann bleibt bestehen

Plagiat oder nicht? Eine Kommission wird die Dissertation von Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann genauer unter die Lupe nehmen, teilt die Uni Potsdam mit. Auf VroniPlag werden derweil Plagiatsvorwürfe gegen einen weiteren Kultusminister laut.

Die Universität Potsdam hat die Plagiatsvorwürfe gegen Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) vorerst nicht entkräftet. Bei einer ersten Untersuchung von Althusmanns Doktorarbeit sei der zuständige Dekan zu dem Schluss gekommen, "dass die Verdachtsmomente nicht hinreichend ausgeräumt werden konnten", teilte die Hochschule mit.

Bernd Althusmann

Weiter unter Plagiatsverdacht: Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU).

(Foto: dpa)

Die Dissertation des amtierenden Präsidenten der Kultusministerkonferenz werde daher von einer Kommission zur Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens genauer unter die Lupe genommen. Althusmann hatte bislang "mögliche handwerkliche Fehler" in seiner Arbeit eingeräumt, eine bewusste Täuschung jedoch abgestritten.

Althusmann hätte von den Vorwürfen nur entlastet werden können, wenn sich der Täuschungsverdacht in einer ersten Analyse nicht hinreichend bestätigt hätte oder "aufgrund vollständiger Aufklärung ausgeräumt" worden wäre, erklärte die Uni mit Verweis auf ihre Regeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis.

Althusmann reagierte gelassen auf die weitere Prüfung seiner Doktorarbeit. "Eine neue Sachlage ist nicht eingetreten", sagte der CDU-Politiker und wiederholte: "Jede Unterstellung der Täuschung weise ich nach wie vor entschieden zurück". Der CDU-Politiker hatte in der vergangenen Woche eine umfangreiche Stellungnahme zu den Plagiatsvorwürfen an die Universität geschickt. Auch ein Gegengutachten sollte die Anschuldigung entkräften, er habe in seiner Dissertation nicht korrekt zitiert. Dem 44-jährigen Minister wird vorgeworfen, in seiner Doktorarbeit an vielen Stellen inhaltliche wie wörtliche Übernahmen aus anderen wissenschaftlichen Werken nicht als solche gekennzeichnet haben.

Seit dem Fall Karl-Theodor zu Guttenbergs (CSU) werden immer mehr Politikern mangelhafte Doktorarbeiten nachgewiesen. Den FDP-Politikern Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis wurde der akademische Grad entzogen. Und auch der Waiblinger CDU-Landtagsabgeordnete Matthias Pröfrock muss seinen Doktortitel ablegen.

Derweil wird auch Sachsens Kultusminister Roland Wöller (CDU) mit Plagiatsvorwürfen zu seiner Doktorarbeit konfrontiert. Auf der Internetplattform VroniPlag sind Auszüge der Doktorarbeit des 41-Jährigen veröffentlicht, die Plagiate aus einer Magisterarbeit eines Studenten belegen sollen.

Wöller teilte der Nachrichtenagentur dapd mit, dass es bereits 2008 einen Plagiatsvorwurf gegen ihn an der Technischen Universität Dresden gegeben habe, der aber weitgehend ausgeräumt worden sei. Eine Überprüfung des Promotionsausschusses habe damals gezeigt, dass ihm weder eine Urheberrechtsverletzung noch ein Plagiat vorzuwerfen sei und er den Doktortitel behalten dürfe.

© dapd/dpa/gal/beu

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