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Digitale Nomaden:Netzwerken für Solo-Selbständige

Doch die digitalen Nomaden eint ein Problem: Sie arbeiten oft als Solo-Selbständige, also allein, und müssen sich viel mit Menschen herumschlagen, die nicht so richtig verstehen, was sie da eigentlich machen. Viele Workation-Anbieter sind deshalb anfänglich aus der eigenen Not heraus auf die Idee gekommen, Reisen zu veranstalten. So wollten sie ihr Netzwerk vergrößern und mit Gleichgesinnten besprechen, wie sich das Leben als digitaler Nomade besser organisieren lässt.

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"Vorher hatte ich in einer Firma gearbeitet, hatte Kollegen und kannte viele Leute", sagt zum Beispiel der Däne Nikolaj Astrup über die Zeit vor seiner Selbständigkeit. Dieses Netzwerk fehlte ihm plötzlich, nachdem er seinen Job gekündigt hatte. Als Astrup 2012 das erste Mal eine Workation organisierte, tat er das in erster Linie aus Eigennutz: "Ich schrieb in meinem Blog über die Idee und fragte, wer mit mir einige Zeit in Barcelona verbringen wollten, damit wir uns dort gegenseitig bei der Arbeit helfen und Spaß haben können." Daraus ist das Start-up " Refuga" gewachsen, mit dem Astrup 2015 acht Workations organisierte.

Yoga, Surfen und "fuck-up confessions"

Da viele Workations-Anbieter als digitale Nomaden Teil ihrer eigenen Zielgruppe sind, bezeichnet das Schlagwort nicht nur eine neue Form des Reisens. Es dient den Anbietern ebenso als Label, um ihren eigenen Lebensstil zu vermarkten und für andere als erstrebenswert darzustellen. Die Workations-Angebote unterscheiden sich je nach Zielgruppe, Zielort, Programm und Mindestdauer der Aufenthalte.

Die " DNX Camps" von Felicia Hargarten und Marcus Meurer zum Beispiel dauern in der Regel zehn Tage. Sie fanden bislang in Europa, Thailand oder Brasilien statt und bestehen aus einer Mischung aus Arbeitsphasen, Feedback-Runden, Yoga, Wassersport und Freizeit. Beim nächsten Camp stehen auch abendliche "fuck-up confessions" auf dem Programm. In dieser Runde besprechen die Teilnehmer, womit sie in der Vergangenheit gescheitert sind und was sie daraus gelernt haben. Andere Deutsche wie Katja Andes mit ihrer Firma " Sunny Office" oder Sebastian Kühn mit seinen " Wireless Workations" setzen auf ähnliche Konzepte.

" Remote Year" dagegen, 2015 von zwei US-Amerikanern gegründet, schickt Gruppen mit etwa 75 Leuten für ein ganzes Jahr auf eine Reise. Jeden Monat leben, arbeiten und feiern die Teilnehmer an einem anderen Ort.

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Und wem das noch nicht verrückt genug ist, der wird vielleicht auf dem " Nomad Cruise" glücklich. Unter diesem Titel organisiert Johannes Völkner Workations auf einem Kreuzfahrtschiff. Ende Mai startet der zweite Trip dieser Art. Etwa 200 Leute arbeiten und feiern 13 Tage lang während der Überfahrt vom kolumbianischen Cartagena nach Lissabon. Die Webseiten all dieser Anbieter zeigen Sonne, Strände, reichlich nackte Haut, viele Laptops - und oft ebenso viele Bierflaschen.

"Richtig produktiv ist auf dem Schiff niemand", sagt Völkner über seine Nomad Cruises. Aber das sei eben auch gar nicht das Ziel. "Es geht darum, sich sein Netzwerk aufzubauen. Denn wenn man an warmen Orten arbeiten möchte, sollte man sich mit Leuten umgeben, die das auch tun." Das hat Völkner selbst auf die harte Tour gelernt. Der 33-Jährige arbeitet seit fünf Jahren als digitaler Nomade. Im ersten Jahr habe er kaum Leute getroffen, die so leben und arbeiten wie er. "So richtig produktiv war das nicht. In einem Backpacker-Hostel der Einzige zu sein, der auch arbeiten muss, ist schwierig." Manche Teilnehmer seiner Kreuzfahrten reisen im Anschluss zusammen weiter, hat Völkner beobachtet. Die Reise sei deshalb vor allem für diejenigen wertvoll, die gerade erst ins digitale Nomadentum einstiegen.