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Diebstahl:Ein Hausmeister klaute über die Jahre 25 Tonnen an Material

Wer einmal auf den Geschmack gekommen ist, wird eher zum Wiederholungstäter. Jeder zehnte Angestellte, der schon einmal etwas hat mitgehen lassen, hat danach noch drei- bis zehnmal geklaut, zeigt eine GfK-Studie. Zu den Gegenständen, die am häufigsten in den Hand- und Hosentaschen der Mitarbeiter verschwinden, gehören Büromaterialien wie Kulis, Papier und Heftklammern. Alles Dinge, die einzeln betrachtet keinen nennenswerten Schaden verursachen, aber in der Summe spürbar ins Geld gehen können.

Doch es gibt auch die heftigen Fälle. Zum Beispiel den eines Hausmeisters der Stadt Stuttgart, der schon seit mehr als vier Jahren im Ruhestand war, als herauskam, dass er in 25 Jahren bei der Stadtverwaltung insgesamt 25 Tonnen an Büro- und Reinigungsmaterialien geklaut und später zu Hause gebunkert hatte. Mal eine Leiter, dann ein Locher, das nächste Mal eine Fußmatte.

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Bei seinem Arbeitgeber konnte man sich den unbemerkten Diebstahl damals nur so erklären, dass der Hausmeister die Gegenstände einzeln und in sehr kleinen Mengen hatte mitgehen lassen. Heute, gut fünf Jahre später, sagt ein Sprecher der Stadt, dass die Verwaltung ihren Mitarbeitern Vertrauen schenke, trotz des Vorfalls damals. Straftaten seien "die absolute Ausnahme. Deswegen gibt es auch keinen Grund für Stichproben."

Eine der Branchen, in denen besonders oft gestohlen wird, ist der Einzelhandel. Schon Klau durch Kunden sorgt für einen Schaden von 2,2 Milliarden Euro, errechnete das Handelsinstitut EHI. Doch auch die eigenen Mitarbeiter langen zu - und das im Warenwert von 800 Millionen Euro. Doch für die meisten Auftraggeber von Meismann ist der Vertrauensverlust viel entscheidender als der Wert der Beute. "Auch bei kleinen Schäden entsteht ein Klima des Misstrauens", so der Detektiv.

Was Unternehmen gegen den Diebstahl tun können

In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Diebstähle in Büros um mehr als ein Drittel gesunken - zumindest derjenigen, die bei der Polizei angezeigt werden. Das liegt sicherlich auch daran, dass sich Unternehmen stärker absichern, die Kontrollmechanismen besser greifen und Compliance-Regeln verdeutlichen, was erlaubt ist und was nicht. Allein der Einzelhandel investiert jährlich 1,3 Milliarden Euro, um Eigentum und Mitarbeiter abzusichern.

Doch vor allem ist die Angst um das eigene Image größer als früher. Schlechte Nachrichten verbreiten sich dank der heute vielfältigen Kanäle schneller und breiter. Deswegen klären Firmen das Problem arbeitsrechtlich - indem sie den ertappten Mitarbeiter ein Schuldanerkenntnis unterschreiben lassen und ihm kündigen. Allerdings endeten manche Fälle auch ohne Kündigung, heißt es bei der BDA. Zum Beispiel dann, wenn sich herausstellt, dass es nicht kriminelle Energie, sondern eine psychische Störung wie Kleptomanie war, die den Angestellten dazu bewegte zu klauen.

Kommt doch einmal heraus, dass in einem Unternehmen massiv gestohlen wurde, gibt man sich bedeckt. Bei Daimler schmuggelte ein Leiharbeiter vor einigen Jahren über einen längeren Zeitraum hinweg massenweise Navigationsgeräte vom Betriebsgelände und verkaufte sie im Internet. Zu dem konkreten Fall sagt Daimler nichts. Man werde "die notwendigen Konsequenzen" ziehen und "die entsprechenden Behörden" einbeziehen, sollte man Kenntnis "über strafrechtlich relevantes Verhalten von Beschäftigten erlangen", heißt es knapp.

Kündigen? Weiter vertrauen? Für Unternehmen bleibt es ein unangenehmes Thema - und ein schmaler Grat, Schaden abzuwenden und den Betriebsfrieden wiederherzustellen.

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