bedeckt München 18°

Die beste Schule 2011:In Göttingen lernt es sich am besten

Der Jubel an der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule in Göttingen war groß: Die Gesamtschule, in der es bis zur achten Klasse keine Noten gibt, ist die beste Schule des Jahres. Die Auszeichnung entfachte bereits eine politische Debatte.

Die Georg-Christoph-Lichtenberg- Gesamtschule aus Göttingen ist die beste Schule des Jahres. Bundespräsident Christian Wulff überreichte den mit 100.000 Euro dotierten Deutschen Schulpreis am Freitag in Berlin.

Deutscher Schulpreis für Ganztagsschule in Göttingen

Schüler der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule jubeln in Göttingen über die Auszeichnung 'Beste Schule des Jahres'.

(Foto: dpa)

Die Göttinger Gesamtschule sei modellhaft, erklärte die Jury. Von der 5. bis zur 10. Klasse werden Gymnasiasten, Haupt- und Realschüler gemeinsam unterrichtet. Bis zur 8. Klasse gibt es keine Noten. "In den Schulen werden die Grundlagen für die Zukunft unseres Landes gelegt", sagte Bundespräsident Wulff. Deswegen sei es wichtig, dass exzellente Unterrichtskonzepte Schule machten.

In Göttingen war der Jubel am Mittag groß. Die Schülerinnen und Schüler der Integrierten Gesamtschule (IGS) verfolgten die im Fernsehen übertragene Preisverleihung beim "Public Viewing" in ihren Jahrgängen. Nach dem Mittagessen gab es für jedes Kind ein Eis am eigens bestellten Eiswagen vor dem Gebäude.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Lichtenberg-Gesamtschule den Deutschen Präventionspreis gewonnen. Hier arbeiten Schüler unterschiedlicher Begabung zu sechst an Tischgruppen, auch Kinder mit Behinderungen werden integriert. Diese Teamarbeit sei vorbildlich für Schulen in ganz Deutschland, erklärte die Schulpreis-Jury. "Wir sind eine Schule, die gänzlich auf Selektion verzichtet. Wir sehen uns als Teamschule", beschreibt der didaktische Leiter, Lars Humrich, das Erfolgsgeheimnis seiner IGS.

Die 1975 gegründete Ganztagsschule ist eine der wenigen Schulen bundesweit, die bis zur 10. Klasse nicht nach Leistungen trennt. Sie hat jedes Jahr mehr Anmeldungen für die fünfte Klasse, als Plätze zur Verfügung stehen. Es werden immer 65 Prozent Schüler mit Gymnasialempfehlung, 25 Prozent mit Realschul- und 10 Prozent mit Hauptschulempfehlung aufgenommen. Am Ende schafften auch viele im Grundschulalter schwächer eingestufte Kinder das Abitur, sagte Humrich.

Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) gratulierte der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule. Der Preis sei für das besondere pädagogische Konzept verliehen worden, es handele sich nicht um eine Hervorhebung sämtlicher Gesamtschulen, sagte Althusmann. Eine Schulstrukturdebatte könne wegen der Auszeichnung nicht losgetreten werden.

SPD, Grüne und Linksfraktion im niedersächsischen Landtag forderten dagegen, das gemeinsame Lernen stärker zu fördern und vom Abitur nach zwölf Jahren an Gesamtschulen abzurücken. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Niedersachsen forderte die Landesregierung auf, ihre Blockadehaltung gegenüber Gesamtschulgründungen aufzugeben.

Vier Preise in Höhe von je 25.000 Euro gingen an die Marktschule Bremerhaven, das Johann-Schöner-Gymnasium in Karlstadt (Bayern), die Gemeinschaftsgrundschule Hackenberg in Remscheid (Nordrhein-Westfalen) und die Ganztagsschule Johannes Gutenberg in Wolmirstedt (Sachsen-Anhalt).

Zwei Sonderpreise à je 15 000 Euro bekamen das Genoveva-Gymnasium in Köln und die Heinz-Brandt-Schule in Berlin. Alle anderen Finalisten erhalten 2000 Euro. Für den Deutschen Schulpreis hatten sich in diesem Jahr 119 Schulen beworben. Die Auszeichnung wird seit 2006 von der Robert Bosch Stiftung und der Heidehof Stiftung vergeben.

© sueddeutsche.de/dpa/holz
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema