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DGB-Index "Gute Arbeit":Ausgenutzt und ausgebrannt

Schwer belastet, unterbezahlt, ohne Karrierechancen: Jeder dritte Deutsche ist mit seinem Job unzufrieden. Einzig die netten Kollegen machen die Arbeit offenbar erträglich.

Jeder dritte Deutsche ist mit seinem Job unzufrieden. 33 Prozent der Bundesbürger bewerten ihren Arbeitsplatz als schlecht, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten jährlichen Index des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zur Arbeitszufriedenheit der Deutschen hervorgeht.

Gestresste Arbeitnehmer: Nur jeder zweite Deutsche geht davon aus, seinen Job unter den derzeitigen Bedingungen bis zur Rente ausüben zu können.

(Foto: Foto: dpa)

Nur jeder zweite Deutsche geht der repräsentativen Umfrage zufolge davon aus, seinen Job unter den derzeitigen Bedingungen bis zum Rentenalter ausüben zu können. Vor allem wegen eines hohen Zeitdrucks seien viele Arbeitnehmer in Deutschland mit ihrem Beruf unzufrieden.

Laut DGB-Index gibt es bei der Arbeitszufriedenheit in Ost und West deutliche Unterschiede: Im Westen berichten 13 Prozent der Beschäftigten von guter Arbeit, im Osten nur 8 Prozent. Umgekehrt sieht es bei der als "schlecht" bewerteten Arbeit aus: 31 Prozent der Befragten sehen sich im Westen damit konfrontiert, 40 Prozent sind es in den neuen Bundesländern. DGB-Chef Michael Sommer nannte das anhaltende West-Ost- Gefälle "alarmierend".

Junge Generation ohne Zukunft

Dass sich die Beurteilung in entscheidenden Punkten eher verschlechtert als verbessert hat, ist nach Einschätzung der Gewerkschafter der Deregulierung am Arbeitsmarkt zu verdanken: Die habe zu mehr Leiharbeit und prekärer Beschäftigung geführt. vor allem die junge Generation werde ihrer Zukunftschancen beraubt. Zwei Drittel der Beschäftigten bis 35 arbeite "prekär oder atypisch" - etwa in Praktika. Der DGB-Chef forderte deshalb eine arbeitsmarktpolitische Korrektur.

"Wenn sich schon in wirtschaftlich sonnigen bis wolkigen Wetterlagen Strukturen verfestigt haben, die weit von guten Arbeitsbedingungen entfernt sind, wie wirkt sich das dann erst im Sturm aus?", fragte der stellvertretende IG-Metall-Vorsitzende Detlev Wetzel. Er verlangte eine Abkehr von der "Kurzfrist-Ökonomie, die versucht, den Wettbewerb über schlechtere Arbeitsbedingungen, längere Arbeitszeiten und niedrigere Löhne zu gewinnen".

Der Studie zufolge arbeiten die meisten Deutschen länger als tariflich vereinbart. Bei einer Wochen-Arbeitszeit von 39 Stunden arbeiteten die Deutschen im Schnitt 44 Stunden. Der Studie zufolge wollen allerdings nur zehn Prozent der Vollzeitbeschäftigten länger als 40 Stunden arbeiten.

Fehlende Aufstiegsmöglichkeiten

Besonders negativ bewerten die Arbeitnehmer in Deutschland der Studie zufolge daneben die Höhe ihres Einkommens und fehlende Aufstiegsmöglichkeiten. Als relativ gut bewerten sie die Kollegialität am Arbeitsplatz. Auch bei der Frage nach dem Sinngehalt der Arbeit fallen die Antworten recht positiv aus.

Besonders schlecht fallen die Antworten bei den nach DGB-Definition prekär Beschäftigten aus. Sie beurteilen vor allem die Arbeitsplatzsicherheit deutlich schlechter als der Durchschnitt der deutschen Arbeitnehmer. Zu dieser Gruppe zählt der Gewerkschaftsbund sowohl Vollzeitbeschäftigte als auch Leiharbeiter mit einem Einkommen von weniger als 2000 Euro brutto im Monat.

Die Ergebnisse der Studie ähneln jenen vom Vorjahr. Auch damals schon hatte rund ein Drittel der Deutschen angegeben, mit ihrem Job unzufrieden zu sein. Für die Erhebung wurden nach DGB-Angaben bundesweit fast 8000 Beschäftigte aus allen Branchen, Arbeitsverhältnissen und Einkommensgruppen befragt.