Deutschpflicht auf dem Schulhof Deutsch macht friedlich

FDP-Generalsekretär Christian Lindner forderte eine Deutschpflicht auf deutschen Schulhöfen. An einer Schule in Berlin ist das längst Alltag - und die Folgen sind spürbar.

Es funktioniert doch: Fast 90 Prozent der Schüler an der Herbert-Hoover-Realschule im Berliner Stadtbezirk Wedding haben einen Migrationshintergrund, doch auf dem Schulgelände ist nur eine Sprache zu hören: Deutsch. Vor fünf Jahren beschlossen Lehrer, Eltern und Schüler auf der Schulkonferenz, "jederzeit und überall Deutsch zu sprechen", wie Schulleiter Thomas Schumann die Regel zusammenfasste.

Wenn deutsch gesprochen wird, gibt es weniger Konflikte auf dem Schulhof - so die Erfahrung der Herbert-Hoover-Schule in Berlin.

(Foto: dpa)

Sie taten freiwillig, was FDP-Generalsekretär Christian Lindner in einem Zeitungsinterview forderte. Die Bilanz der damals umstrittenen Maßnahme sei überaus positiv: "Mehr Schüler schaffen den Realschulabschluss, mehr finden eine Lehrstelle und mehr gehen aufs Gymnasium", sagte Schumann. Der Grund für die Verpflichtung der Schüler sei einfach gewesen: Manche Schüler dachten, andere redeten schlecht über sie, weil sie deren Sprache nicht verstanden. "Wir fragten uns gegenseitig: Wieso benutzen wir nicht eine Sprache?", sagte Schumann.

Mittlerweile müsse jeder Schüler, der in die Schule aufgenommen wird, eine Bildungsvereinbarung unterschreiben, in der er sich unter anderem verpflichtet, überall deutsch zu sprechen. Die Konflikte zwischen Schülern hätten seitdem abgenommen, sagte der Schulleiter. Doch die Vereinbarung zielte längst nicht nur auf soziale Fragen. Auch das Erlernen von Mathematik hänge von der Beherrschung der Sprache ab. "Wer den Konjunktiv und die Konjunktionen falsch benutzt, kann Rechenaufgaben nicht lösen", sagte Schumann.

Als Beispiel führte er eine Aufgabe aus der Prozentrechnung an: "Würde eine Ware um 20 Prozent teurer und anschließend um 20 Prozent billiger, kostete sie dann genauso viel wie ursprünglich?" Um solche Fragen zu lösen, müssten die Schüler besser Deutsch sprechen als nur Umgangssprache. Um ihre Kenntnisse zu verbessern, gibt es eine zusätzliche Deutschstunde pro Woche, eine Projektgruppe "Darstellendes Spiel" und andere Fördermaßnahmen. "Außerdem achten wir in allen Fächern darauf, dass korrektes Deutsch gesprochen wird", berichtete Schumann.

Die Schule habe mehr Anmeldungen als Plätze und Schüler der zehnten Klasse unterrichteten freiwillig Grundschüler in den Ferien, wie es zurzeit gerade passiere. "Es gibt eine hohe Identifikation mit der Schule", sagte Schumann. Die Deutsche Nationalstiftung zeichnete die Schule 2006 für die Einführung von Deutsch als allgemeiner Verständigungssprache mit dem Nationalpreis aus.

Ob andere Schulen dem Beispiel der Herbert-Hoover-Schule folgen sollten, beantwortete Schulleiter Schumann diplomatisch: "Ich fände es grundsätzlich gut, wenn es in Deutschland üblich wäre und zur Normalität würde, dass an Schulen überall deutsch gesprochen wird." An seiner Schule herrsche dabei allerdings das Prinzip der Freiwilligkeit.

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) kritisierte derweil Rufe nach einer Deutschpflicht auf Schulhöfen als Symbolpolitik. Eine Regelung, die Deutsch als verpflichtende Sprache auch auf Pausenhöfen vorschreibe, "trüge nur neue Konflikte in die Schulen hinein", warnte Schünemann in der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Erforderlich sei vielmehr eine "frühzeitige Sprachförderung junger Migranten in den Kindergärten", um Sprachprobleme bis zum Schulalter zu beheben. Damit lasse sich am ehesten erreichen, dass in Schulen deutsch gesprochen werde, "was ich für absolut richtig halte". Schünemann forderte zudem, "Deutsch als Landessprache im Grundgesetz festzuschreiben".

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