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Deutschlands "frechster Arbeitsloser":Gestatten, Henrico Mustermann

Ein Schlagabtausch mit dem damaligen SPD-Chef Kurt Beck machte ihn zum berühmtesten Arbeitslosen der Nation. Heute ist Henrico Frank solide geworden - und Arbeit für ihn "die Erfüllung".

Für Henrico Frank ist es ein kleiner Triumph über sich selbst - und auch über Kurt Beck. Seit nunmehr dreieinhalb Jahren hat Deutschlands einst "frechster Arbeitsloser" - wie die Bild-Zeitung im Dezember 2006 titelte - einen festen Job bei dem Frankfurter Musiksender iMusic TV.

Henrico Frank, dpa

Henrico Frank, Deutschlands "frechster Arbeitsloser" wie 2006 die "Bild"-Zeitung titelte, ist solide geworden - Zottelmähne und Piercings sind jedoch geblieben.

(Foto: dpa)

Zwei Tage hat er erst gefehlt. Jeden Morgen steht er um sechs Uhr auf und geht - wie er betont - immer mit "Bock" an die Arbeit. "Es ist für mich im Moment die Erfüllung. Das alles hat mir ein ganz anderes Selbstwertgefühl gegeben", sagt der 41-Jährige.

Es wirkt rührend, wenn der Mann, der nach eigener Aussage einst "die Nation gespalten hat", solche Sätze sagt.

Ein Weihnachtsmarkt-Aufeinandertreffen mit dem damaligen SPD-Chef Kurt Beck in Wiesbaden hatte Frank im Winter 2006 über Nacht bundesweit bekanntgemacht. Angetrunken, mit langen Zottelhaaren, Vollbart und zig Piercings machte er damals Beck für Hartz IV und Millionen Arbeitslose verantwortlich, woraufhin dieser zurückblaffte: "Wenn Sie sich waschen und rasieren, haben Sie in drei Wochen einen Job."

Erst war Beck der Buhmann - dann Frank, an dem ein "Arbeit ist scheiße"-Aufnäher entdeckt wurde und der mehrere Jobangebote Becks ablehnte. "Ich bin nicht mehr ganz so aufbrausend. Ich hab' hier im Sender mit zu vielen Leuten zu tun, da kann ich nicht mehr die alte Rocksau raushängen lassen", sagt der gelernte Baufacharbeiter.

Seine Aktion von damals bereut der gebürtige Thüringer aber nicht: "Den Spießrutenlauf in den Medien will ich nicht noch einmal durchmachen, auf der anderen Seite hat es mich vorangebracht, es hat mich hierher gebracht."

Sein heutiger Chef Marco Quirini las von dem Mann, der zwischen 1992 und 1996 sogar auf der Straße lebte, und gab ihm eine Chance. Das war mehr als ein PR-Coup des kleinen Senders, sonst wäre Frank heute nicht mehr dort.

"Er ist sehr diszipliniert, immer pünktlich und möchte sich stets weiterentwickeln", sagt Quirini. "Henrico hat seine Chance - wohl seine letzte - absolut genutzt."

Dafür nimmt der Ex-Alkoholiker, der noch jeden Monat alte Kredit- und Mietschulden abbezahlt, täglich drei Stunden pendeln mit der S-Bahn in Kauf: Er wohnt noch immer in seiner 23-Quadratmeter-Wohnung im Wiesbadener Westend.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Henricos Mutter zur Wandlung ihres einstigen Sorgenkinds sagt.

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