bedeckt München

Dauerstreit um Frauenquote:Fortschritt oben verdeckt Dilemma unten

Gerne wird hier auf das Prinzip der homosozialen Auswahl gesetzt, wonach Chefs am liebsten Untergebene fördern, die ihnen ähneln, also Männer Männer. Ob deshalb Frauen auch zwangsläufig Frauen fördern, muss sich jedoch noch erweisen. Ähnlichkeit kann sich ja auch auf andere Qualitäten beziehen, zum Beispiel auf die soziale Herkunft.

Zweifel kann in diesem Punkt auch eine neue Studie aus Großbritannien säen. Die besagt, dass Fortschritte für Frauen an der Spitze überhaupt keinen Einfluss auf die Frauen unten haben - zumindest, was das Einkommen angeht. Demnach haben Frauen einer bestimmten Altersstufe mit Uni-Abschluss ein fast dreimal so hohes Einkommen (plus 198 Prozent) wie Frauen ohne Berufsausbildung - Männer mit akademischem Grad verdienen hingegen nur 45 Prozent mehr als die sogenannten unskilled workers.

Dalia Ben-Galim, stellvertretende Direktorin des Mitte-links-orientierten Institute for Public Policy Research, das die Studie erstellt hat, zieht aus der Untersuchung recht weitreichende Folgerungen:

"While feminism has delivered for some professional women, other women have been left behind. Many of the advances for women at the top have masked inequality at the bottom."

Der politische Ansatz, der sich auf die Förderung von Frauen in Chefetagen konzentriert, habe sich als nicht erfolgreich erwiesen, was den Wechsel hin zu einer familienfreundlichen Arbeitskultur angehe oder die Eröffnung von beruflichen Aussichten für andere Frauen, sagt Ben-Galim weiter.

Was wirkt: Klasse statt Geschlecht

Sie stellt fest, dass das Geschlecht zwar immer noch einen starken Einfluss auf die Verdienstmöglichkeiten von Frauen habe - ihr Einkommen liegt stets unter dem von Männern in vergleichbaren beruflichen Positionen. Doch einen viel größeren Einfluss hätten: Klasse (oder auch Schicht oder Herkunftsmilieu, wie immer man das formulieren will), Erziehung und der berufliche Hintergrund. Recherchen dazu, ob es sich in Deutschland ähnlich verhält oder nicht, erbrachten bislang kein Ergebnis.

Doch zeigt sich auch in Deutschland das Phänomen, dass die Familienpolitik die Interessen von Frauen aus unteren Schichten gerne mal vernachlässigt - unter dem Siegel eines vermeintlich allgemeingültigen feministischen Interesses. So profitieren vom einkommensabhängigen Elterngeld vor allem die, die ohnehin schon Geld haben - für Geringverdiener war das frühere Erziehungsgeld die günstigere Lösung.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema