Das richtige Outfit beim Bewerbungsgespräch Männerbeine - besser gut bestrumpft

Die taubenblaue Anzugjacke sitzt ganz gut. Die Ärmel sind etwas lang und überdecken die Hemdmanschetten. Aber das kann der Hausschneider ändern. An Kaplans Schultern entdeckt die Beraterin ein paar Falten, wo keine hingehören. Sie bittet den Verkäufer um dessen Einschätzung.

"Das ist eine sehr gute Wahl. Reine Schurwolle, gezwirnte Ware. Unsere Kunden sind sehr zufrieden damit", sagt der Mann beflissen. Die graue Variante scheint noch besser zu sitzen. Vornehm ist zufrieden, meint jedoch, dass grau ihren Klienten etwas blass mache.

Mit taubenblauer Hose und Sakko am Mann geht es weiter in die Hemdenabteilung. "Dazu passt alles", sagt der Verkäufer, "Champagner, Flieder, Rose." Vornehm wählt ein hellblaues Hemd mit klassischem Kentkragen. "Ich hätte wohl eher ein weißes genommen", meint Kaplan.

Jetzt noch die Krawatte. Angesichts von Hunderten unterschiedlicher Krawatten sei er immer besonders ratlos, sagt der Hochschulabsolvent. Frau Vornehm überlegt nicht lange und wählt ein schräg gestreiftes Exemplar in verschiedenen Blau- und Grau-Tönen. Schuhe gibt es hier nicht. Die Beraterin empfiehlt klassische schwarze Schnürschuhe in Leder. Noch schöner, wenn auch etwas gewagter, sei allerdings - blau. Dazu am besten gleichfarbige Socken.

"Das ist ein heikles Kapitel", sagt Vornehm. "Es gibt nichts Unerotischeres als behaarte Männerbeine." Daher sollten diese auf keinen Fall hervorlugen. Abhilfe könnten halblange oder gar knielange Strümpfe schaffen, die keine Haut sehen ließen, wenn man mal die Beine übereinanderschlage.

Erotik ist tabu

Überhaupt: Das Spielen mit Erotik sei beim Bewerbungsgespräch völlig unangebracht. "Zeigen Sie möglichst wenig nackte Haut", heißt es in Heidi Vornehms Broschüre "Dress for Success".

Wenn man schon Akzente setzen wolle, um seine Persönlichkeit zu betonen, rät Heidi Vornehm zu einer schicken, klassischen Uhr mit Lederarmband (kein Plastik!), einer dezent modischen Brille oder einer hübschen Aktentasche. Mit seinem neuen Erscheinungsbild befindet die Imageberaterin ihren Klienten nun, zumindest äußerlich, bestens präpariert für das Vorstellungsgespräch.

"Auf jeden Fall weiß ich jetzt, dass es nicht nur weiße Hemden gibt", sagt Kandidat Kaplan. Auf dem Weg zum Ausgang kommt Frau Vornehm an einer Schaufensterpuppe vorbei, die ein Dekorateur des Hauses trendig ausstaffiert hat: beige Hose, weißes Hemd, rustikale braune Strickjacke und - Fliege. "Sieht ja recht flott aus", meint sie. "Aber nicht, dass jemand auf die Idee kommt, das zu einem Vorstellungsgespräch anzuziehen."

Bewerbung: Worauf Personaler achten (3)

Achtung, fertig, Vorstellungsgespräch!