Betriebsfeste:Nächstes Jahr aber wirklich

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Déjà-vu: Auch dieses Jahr werden viele Unternehmen Weihnachten nur virtuell feiern können.

(Foto: gpointstudio/imago images/Westend61)

Die Hoffnung auf betriebliche Weihnachtsfeiern war groß. Doch jetzt macht die Corona-Lage die Pläne zunichte. Wie schlimm ist es, wenn Kollegen nicht mehr zusammen anstoßen können?

Von Francesca Polistina

Eigentlich schien dieses Jahr alles ziemlich sicher zu sein, so zumindest dachten es sich viele Unternehmer und ihre Mitarbeitenden. Diesmal wird Weihnachten unter Kollegen gefeiert, diesmal aber wirklich! Viele Firmen buchten Restaurants und Locations schon im Sommer, so groß war die Euphorie und die Lust, sich auf einer betrieblichen Weihnachtsfeier zusammenzufinden, genauso wie vor der Pandemie. Dann aber passierte das, wovor die Epidemiologen und Virologen schon längst gewarnt hatten: Die Corona-Lage spitzte sich zu. Schnell wurden wieder Maßnahmen ergriffen: 3 G am Arbeitsplatz, Home-Office und Videokonferenzen, verschärfte Regeln in der Gastronomie und in manchen Corona-Hotspots gar Schließungen. Und sofort tauchte die Frage auf: Was macht man jetzt zu Weihnachten?

Firmen-Partys in Restaurants und Gaststätten wurden innerhalb weniger Tage eine nach der anderen abgesagt. Manche verschieben das Ganze auf den Frühling und Sommer - in der Hoffnung, auf Nummer sicher zu gehen. Manche treffen sich lieber vor dem Bildschirm und organisieren virtuelle Weinverkostungen oder Cocktail-Workshops, andere wollen es trotzdem an der frischen Luft versuchen, dabei lautet der Wintertrend: Heißgetränke und Eisstockschießen. Im Münchner Löwenbräukeller wurden aufgrund der hohen Nachfrage vier anstatt zwei Eisstockbahnen installiert, auch in anderen deutschen Städten ist diese Sportart für betriebliche Weihnachtsfeiern sehr gefragt.

Das für die Gastronomie-Branche so wichtige Weihnachtsgeschäft droht wegzubrechen

Die Gastronomie-Branche bestätigt die zahlreichen Absagen. Laut einer Umfrage des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, die vom 15. bis zum 17. November durchgeführt wurde, berichten fast 90 Prozent der Hoteliers und Gastronomen von coronabedingten Stornierungen von Weihnachtsfeiern. Fast jede zweite Feier (45 Prozent) wurde bereits abgesagt - und mit der Zuspitzung der Corona-Lage sind weitere Absagen zu erwarten, so eine Sprecherin. In 85,5 Prozent der Betriebe wurden Events storniert. "Das für die Branche so wichtige Weihnachtsgeschäft droht komplett wegzubrechen, wir erleben erneut eine Absagewelle", sagt Dehoga-Präsident Guido Zöllick. Laut der Dehoga-Umfrage wurde von den Gästen als Hauptgrund für die Absage die aktuelle Infektionslage genannt. Fast die Hälfte der Betriebe melden, dass ihre Gäste unter Verweis auf die 2-G-Regelung storniert hätten - und die Folgen für die Branche sind desaströs: "Mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen und die damit einhergehenden strengeren Zugangsregeln nehmen die Verunsicherung und die Existenzsorgen der Betriebe wieder zu", so der Dehoga-Präsident weiter.

Fragt man bei den Großkonzernen nach, ergibt sich ein eindeutiges Bild: Große Weihnachtsfeiern werden auch dieses Jahr nicht stattfinden. Eine Sprecherin des Chemiekonzerns BASF sagt auf Anfrage der SZ, dass geplante Weihnachtsfeiern in Präsenz am Standort Ludwigshafen in das Frühjahr verschoben werden müssen, "zum gegenseitigen Schutz". Auch bei der Deutschen Bank sind betriebliche Weihnachtsfeiern in Präsenz nicht erlaubt, viele Teams werden wie auch vergangenes Jahr virtuelle Weihnachtsfeiern veranstalten. Die Telekom teilt mit, dass es in diesem Jahr keine große und auch keine Online-Weihnachtsfeier geben wird: "Wir sind ein wenig müde von all den virtuellen Meetings und Events. Daher haben wir uns gesagt: Nicht noch mal virtuell. Wir wollen warten, bis wir wieder richtig feiern können", so ein Telekom-Sprecher. Große Weihnachtsfeiern werden auch bei Bayer nicht stattfinden: Feiern kann man dort in Teams oder in kleineren Gruppen, die regelmäßig zusammenarbeiten, so ein Sprecher. Allerdings unter der Bedingung: 2 G plus Test.

Virtuelle Weihnachtsfeiern sind besser als nichts, findet eine Psychologin

Doch ist es wirklich so schlimm, wenn die betrieblichen Weihnachtsferien zum zweiten Mal in Folge abgesagt werden? Ja, so ist es. Zumindest laut der Arbeits- und Gesundheitspsychologin Amelie Wiedemann vom Berliner Start-up Dear Employee. Dear Employee unterstützt Unternehmen dabei, "gesunde und motivierende Arbeitsbedingungen" zu schaffen, so Wiedemann. Daher weiß sie, wie wichtig es für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ist, immer wieder die Möglichkeit für einen informellen Austausch zu haben - wie eben bei einer Weihnachtsfeier. "Gerade dieser informelle Austausch kommt in Pandemie-Zeiten allerdings zu kurz, da viele im Home-Office arbeiten", so die Psychologin. Nicht nur für die Mitarbeiter, auch aus Arbeitgebersicht erfüllen Weihnachtsfeiern eine wichtige Funktion: "Eine Weihnachtsfeier ist für den Arbeitgeber eine wunderbare Gelegenheit, seine Wertschätzung für die Beschäftigten auszudrücken." Genau diese Wertschätzung sei ein wichtiger Punkt, damit sich der Mitarbeiter gebunden fühlt.

Das Problem ist nur: Gerade sind große Weihnachtsfeiern in Präsenz keine gute Idee. Was tun also? Wiedemann findet: Auch eine virtuelle Weihnachtsfeier sei besser als nichts. "Klar, das persönliche Treffen ist unschlagbar, und eine Weihnachtsfeier vor dem Bildschirm kann das nur bedingt abbilden", so die Arbeitspsychologin. "Man kann aber auch virtuell tolle Feiern gestalten." Aus arbeitspsychologischer Sicht sei es zum Beispiel gut, wenn man gemeinsam das Jahr Revue passieren lässt und betriebliche Herausforderungen bespricht, denn das stärke das Team. Wichtig sei nur, dass man versucht, eine gewisse Spontaneität in die Feier einfließen zu lassen, ohne dass die Führungskräfte nur frontal mit den Beschäftigten reden. Gelingt das, dürfen sich die Beteiligten freuen. Und weiterhin hoffen, dass es bald wieder möglich ist, in Präsenz zu feiern - nächstes Jahr aber wirklich.

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