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Contra Teilzeit-MBA:Sich ganz auf ein Ziel konzentrieren

Wer den Arbeitgeber wechseln will, ist mit dem Vollzeit-MBA gut beraten.

Von Rebekka Gottl

Die typische MBA-Studentin ist 29 Jahre alt, hat einen ersten akademischen Abschluss und circa sechs Jahre Berufserfahrung - sie studiert in Vollzeit. So steht es im diesjährigen Klassenprofil der WHU - Otto Beisheim School of Management in Vallendar und Düsseldorf. Die 81 Studierenden, die den Master of Business Administration dort in Vollzeit absolvieren, kommen aus 22 verschiedenen Ländern, circa die Hälfte von ihnen ist weiblich. Anders beim Teilzeit-MBA: Hier liegt der Anteil der Studentinnen bei nur 20 Prozent, die Studierenden sind im Durchschnitt älter, ein Großteil kommt aus Deutschland. Besonders interessant sind diese Profile für künftige Bewerber, da sie ihnen nicht nur einen Ausblick darauf geben, wie sich der kommende Jahrgang voraussichtlich zusammensetzen wird, sondern ihnen dabei helfen kann, sich selbst für ein Programm in Voll- oder Teilzeit zu entscheiden. Wer herausfinden möchte, welches Modell zu einem passt, sollte das Teilnehmerprofil prüfen, heißt es im MBA-Handbuch des Staufenbiel Instituts von 2019.

"Zwar ist die Nachfrage nach Teilzeit-MBAs stark gestiegen", sagt Gerold Gnau, MBA-Programmdirektor an der WHU, "das hat der Zahl der Bewerbungen für das Vollzeit-Modell jedoch keinen Abbruch getan." Denn die beiden Varianten sprechen verschiedene Märkte an: Die Vollzeit-MBAs sind auch in Deutschland meist international ausgerichtet. Die Mehrheit der Teilnehmer kommt aus anderen Nationen, oft sind mehrere Auslandsmodule integriert. "Während die Vollzeit-Studenten einige Wochen in den USA, Indien oder China verbringen, sind Auslandsaufenthalte bei Teilzeit-Modellen eher selten", sagt Detlev Kran, Herausgeber des "MBA- und Master-Guide 2020". Kein Wunder, denn beim MBA in Vollzeit steigen die angehenden Managerinnen und Manager zeitweise aus dem Job aus und konzentrieren sich für ein oder zwei Jahre ausschließlich auf die akademische Weiterbildung. Dadurch können sie das eigene Profil schärfen und durch den regen Austausch mit Kommilitonen ein professionelles Karrierenetzwerk aufbauen. Das Arbeitspensum sei hoch, allerdings nicht zu vergleichen mit dem Anspruch des MBA in Teilzeit, so Kran. "In drei oder vier Jahren Teilzeitstudium muss man zusätzlich zur regulären Arbeitszeit mindestens zehn Stunden pro Woche investieren."

Beim berufsbegleitenden MBA in Teilzeit ballen sich die Seminare meist am Wochenende, die Veranstaltungen des Career Service Center finden indes überwiegend unter der Woche statt. Aus Unternehmenssicht sei das sinnvoll, da viele Organisationen und Betriebe eher nach Vollzeit-MBA-Studierenden Ausschau halten, so Gerold Gnau von der WHU. Sie sind beruflich ungebunden und auf der Suche nach einem passenden Unternehmen. Ein Vollzeitstudium empfiehlt der MBA-Programmdirektor daher besonders denjenigen, die einen sogenannten Triple Change anstreben, einen "Wechsel der Funktion, der Branche und des Landes", wie er sagt. Auch wer ein Start-up gründen möchte, sollte den MBA nach Gnaus Ansicht eher in Vollzeit absolvieren. Denn um Wissen aufzubauen, Kontakte zu knüpfen und intensive interkulturelle Erfahrungen zu sammeln, müsse man sich Zeit nehmen.

Inhaltlich weisen die meisten MBA-Programme - ob Vollzeit oder Teilzeit - keine wesentlichen Unterschiede auf. Gerold Gnau spricht sogar von "einem MBA in zwei Zeitformaten". Die meisten Hochschulen und renommierten Business Schools bieten beide Varianten an. Die Studiengebühren für Vollzeit- und Teilzeit-MBA sind bei demselben Programmanbieter in der Regel gleich hoch. Von Business School zu Business School können sich die Kosten für das Studium allerdings erheblich unterscheiden.

"Absolventen des Studiums in Vollzeit steigen oft mit einer persönlichen Gehaltssteigerung von mehr als 100 Prozent wieder ins Berufsleben ein", sagt Gnau. Hinzu kommt, dass die meisten unmittelbar nach dem Vollzeitstudium noch keine 30 Jahre alt sind. Sie sind laut MBA-Guide des Staufenbiel-Instituts also "noch lange genug berufstätig, um die Kosten des Studiums wieder einzuspielen." Da viele Teilzeitstudenten nach dem Abschluss im gleichen Unternehmen bleiben, sind solche Gehaltssprünge dort selten möglich. Dazu heißt es im MBA-Handbuch: "Nicht alle Arbeitgeber sind direkt dazu bereit, die in einem Teilzeit-Programm erworbenen Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter gleich über ein höheres Gehalt zu honorieren."

Interessierten, die Wert auf eine internationale Teilnehmergruppe legen, ein breites Angebot an Wahlmodulen schätzen und einen beruflichen Richtungswechsel anstreben, rät der Branchenkenner Detlev Kran, ein akkreditiertes Vollzeitprogramm im Ausland zu wählen. Dabei kann man aus dem Vollen schöpfen: Das Staufenbiel-Institut listet rund 90 MBA-Programme renommierter europäischer Anbieter auf, die bis auf wenige Ausnahmen alle in Vollzeit stattfinden.

Letztlich ist die Entscheidung für oder gegen Vollzeit von den persönlichen Zielen abhängig. "Beide Modelle werden in Zukunft eine Rolle spielen", sagt Gnau von der WHU. "Daneben wird der Online-MBA-Markt jedoch deutlich an Bedeutung gewinnen."

© SZ vom 16.10.2020
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