Coaching für Mitarbeiter:Vom Chef vor den Kopf gestoßen

Möglicherweise spielt aber auch Neid eine Rolle. Wer sieht, wie ein Kollege sich weiterbildet und fortentwickelt, fühlt sich verunsichert und möchte gerne nachziehen. "Es kam vor, dass Kollegen sofort auch eine Beratung bei dem gleichen Coach wollten", sagt Trager. Der Wissenschaftler weiß aber auch, wie sich eine angespannte Stimmung im Kollegenkreis umgehen lässt. "Im Idealfall herrscht in einem Unternehmen eine offene Lernkultur und der Chef sagt seinen Angestellten klar und offen, dass er ein Coaching besucht hat, um an bestimmten Handlungs- und Denkmustern zu arbeiten, die sich in einer gewissen Situation als unbrauchbar erwiesen haben. Dann wissen die Kollegen woran sie sind und fühlen sich nicht vor den Kopf gestoßen, wenn ihr Vorgesetzter plötzlich anders kommuniziert als vorher".

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Manchmal fängt das Coaching schon bei der Kleidungsfrage an. Wer heute noch in Jeans im Büro saß und morgen im schwarzen Anzug, könnte die Kollegen allerdings irritieren.

(Foto: dpa)

Auch im privaten Bereich könnte das berufliche Coaching Folgen haben. "Wer daran arbeitet, auch mal nein zu sagen, muss unter Umständen damit rechnen, dass sich auch Freunde, die dieses Verhalten bisher so nicht kannten, zurückziehen", sagt Trager. Trotz aller Widerstände bereuten die Angestellten, mit denen er sprach, ihr Coaching jedoch nicht. "Sie haben trotz aller Irritationen im Umfeld ihre Entwicklung als Verbesserung empfunden", sagt er.

Damit ein Coaching allerdings solch eine tiefgreifende Wirkung zeigt, müssen ein paar Voraussetzungen erfüllt sein."Der Klient muss auf jeden Fall freiwillig daran teilnehmen", sagt Wolfgang Looss. Darüber hinaus stellte Bernhard Trager fest, dass ein gewisses Maß an Bereitschaft zur Selbstreflexion bei den Arbeitnehmern vorhanden sein muss, damit sie überhaupt offen für Vorschläge des Coaches sind. "Wer dann einmal seine Denkmuster erkannt hat, kann sich, unterstützt von seinem Berater, neue Handlungsweisen aneignen. Das ist ein Lernprozess", sagt Trager.

Die Perfektionistin, mit der er sprach, hat diesen Lernprozess umgesetzt. "Sie bekam am Ende sogar positive Rückmeldungen aus ihrem Freundeskreis, weil sie wesentlich entspannter wirkte", erzählt Trager.

Martina Mayer hofft, dass es bei ihr ähnlich laufen wird. Offen für die Vorschläge des Coaches ist sie jedenfalls - bleibt abzuwarten, wie ihre Kollegen reagieren.

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