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Christine Lüders:Die Frau mit dem abschreckenden Titel

So mancher verdreht heimlich die Augen, wenn er ihren Beruf erfährt: Christine Lüders ist die Antidiskriminierungsbeauftrage des Bundes. Jetzt kämpft sie für die anonyme Bewerbung.

Christine Lüders macht sich keine Illusionen. "Wenn ich mich einem Gesprächspartner aus der Wirtschaft vorstelle und erzähle, was ich beruflich mache, spüre ich förmlich, wie so mancher heimlich die Augen verdreht", sagt die 57-Jährige. Sie hat dafür sogar Verständnis. "Es hört sich ja wirklich schrecklich an, dieses Wortungetüm." Und dann sagt sie langsam, jedes Wort betonend: "Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes - das klingt so pädagogisch, so erzieherisch. Natürlich fragt sich da mancher: Was will die jetzt von mir? Die Antidiskriminierungs-Tante." Sie lacht.

Christine Lüders

Christine Lüders, die Antidiskriminierungsbeauftragte der Bundesregierung, versucht zu überzeugen.

(Foto: dpa)

Trotz des abschreckenden Titels: Als Lüders im vergangenen Jahr gefragt wurde, ob sie die Stelle leiten möchte, zögerte die Pädagogin keine Sekunde. "Ich wusste, das ist das Richtige für mich. Da kannst du was bewegen." Seit Februar ist sie jetzt im Amt - und hat in den sechs Monaten schon mehr vorangebracht als ihre Vorgängerin in drei ganzen Jahren. An diesem Dienstag stellt Lüders der Öffentlichkeit ihr bislang größtes Projekt vor: die anonymisierte Bewerbung.

Fünf Unternehmen und das Bundesfamilienministerium wollen ein Jahr lang in verschiedenen Bereichen anonymisierte Bewerbungen ausschreiben. Eine neutrale Stelle im Haus soll bei eingehenden Bewerbungsunterlagen sämtliche Angaben zu Namen, Alter, Geschlecht und zur Adresse schwärzen sowie ein eventuell beigefügtes Foto entfernen. "Ob der Bewerber zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, hängt dann allein von seiner Qualifikation ab", sagt Lüders.

Die Idee war ihr gekommen, als sie von einem ähnlichen Projekt in Frankreich gelesen hatte. "Zudem hatten mir Freunde aus den USA erzählt, dass dort schon lange in Bewerbungen auf Fotos und Altersangaben verzichtet wird." Eine Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit hat gezeigt, dass allein die Angabe eines ausländisch klingenden Nachnamens die Bewerbungschancen verringert. "Das kann nicht gewollt sein", sagt Lüders. "Wir suchen händeringend qualifizierte Mitarbeiter in Deutschland, da können wir uns nicht leisten, auch nur ein einziges Talent zurückzulassen."

Das Thema ist ihr ein großes Anliegen. Und deshalb hat es sie auch geärgert, dass in den Medien zunächst von "einem Pilotprojekt des Bundesfamilienministeriums" die Rede war. "Das Familienministerium beteiligt sich zwar, aber es ist unsere ureigene Idee und unser ureigenes Projekt", stellt Lüders klar. Das ist ihr vor allem deshalb so wichtig, weil sie "parteipolitisch in keine Ecke gedrängt" werden möchte. "Die Antidiskriminierungsstelle arbeitet völlig unabhängig", sagt Lüders, die selbst keiner Partei angehört. "Wir sind zwar räumlich beim Familienministerium angesiedelt, aber ich muss mich mit niemandem abstimmen und nehme keine Weisungen entgegen."

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