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Chinesisch an deutschen Schulen:China wird immer wichtiger für Deutschland

Wenn Schüler über ihre Motivation sprechen, Chinesisch zu lernen, zeigt sich eine allgemeine Ahnung, "dass China immer wichtiger für uns wird". Der 18-jährige Alexander Leisten sagt: "Ich will Chinesisch im Studium mit Volkswirtschaft kombinieren und als Berufsziel Manager oder Diplomat anpeilen."

Hunderte deutsche Unternehmen sind in China vor Ort. Sie suchen ständig Personal, das sich in Sprache und Kultur auskennt. Und auch in Deutschland wächst die Zahl ansässiger chinesischer Firmen rasant. Laut einer Studie des German Center for Market Entry (Berlin) gibt es schon rund 2000.

Christina Neder vom Fachverband Chinesisch, der sich für die Förderung des Chinesischunterrichts in allen Bildungsbereichen stark macht, sagt: "Firmen mit Bezug zu China, etwa aus der Tourismusbranche oder dem Handel werben inzwischen gezielt um Schüler, die schon an der Schule Chinesisch gelernt haben." Neder unterrichtet Chinesisch als Sinologin an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Dortmund. Gelernt wird neben der gemeinsamen Schrift als gesprochenes Chinesisch die Standard-Hochsprache (Putonghua), die weitgehend auf dem Pekinger Dialekt basiert und früher im Westen und Südostasien auch als "Mandarin" (Sprache der früheren kaiserlichen Beamten) bezeichnet wurde.

Gemeinhin gilt Chinesisch als schwierige Sprache. Dem ist aber kaum so, wenn man am Anfang die Aussprache mit den vier Tönen und die Schriftzeichen paukt. Ansonsten bietet die Sprache wenig Tücken, es gibt keine grammatischen Finessen und keine komplizierten Konjugationsformen. Die Sprache sei zu bewältigen, "wir hatten es uns schwerer vorgestellt", meint die Helmholtz-Klasse übereinstimmend nach einem Jahr Unterrichtserfahrung. Schülerin Hannah Geisen (17) ergänzt: "Wenn man mal von den Schriftzeichen absieht, ist es sogar einfacher als Englisch."

Nach der KMK-Erhebung gab es im Schuljahr 2010/2011 mindestens 232 Schulen, die Chinesisch als Fremdsprache im Unterricht oder in einer AG anbieten. Im Vergleich zu einer Erhebung vor vier Jahren erhöhte sich diese Zahl um 45 Prozent. Die von der KMK genannten Zahlen von "mindestens 5800 Schülern" hält Fachverbands-Sprecherin Christina Neder für deutlich zu niedrig. "Es sind viel mehr, schätzungsweise etwa 10.000 bis 15.000 Schüler." "Für Chinesisch als 2. oder 3. Fremdsprache haben sich aktuell allein in Nordrhein-Westfalen etwa 1000 bis 1300 Schüler an mindestens 15 Gymnasien oder Gesamtschulen entschieden", berichtet Neder. Damit sei NRW auch bundesweit Spitzenreiter vor Berlin.

© sueddeutsche.de/dpa/Edgar Bauer/tina
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