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Chefsache:Weiter geht's auf der Karriereleiter

Chefinnen und Chefs unter sich: Für den EMBA ist der Erfahrungsaustausch in Seminaren besonders wichtig.

(Foto: Imago)

MBA und EMBA haben einiges gemeinsam, doch es gibt große Unterschiede. Für EMBA-Programme braucht man Führungserfahrung.

Von Bianca Bär

Beide vermitteln Kenntnisse im General Management. Beide sind postgraduale Studiengänge und vereinen eine bunte Vielfalt an Teilnehmern aus unterschiedlichsten Branchen, Firmengrößen und Erststudiengängen. Doch von diesen Gemeinsamkeiten sollten sich Interessenten nicht täuschen lassen. Denn EMBA- und MBA-Programme sind nicht für dieselbe Zielgruppe konzipiert. Der Zusatz "Executive", das ist der entscheidende Unterschied zwischen MBA und EMBA.

"Je nach Quantität und Qualität ihrer Berufserfahrung sind Bewerber entweder besser für den MBA oder den EMBA geeignet", erklärt Ralf Bürkle, Pressesprecher der Mannheim Business School (MBS), die neben dem MBA auch drei Executive-MBA-Studiengänge anbietet. Eine Teilnahme an einem normalen MBA-Programm sei bereits für junge Berufstätige mit wenigen Jahren Berufserfahrung möglich. Führungserfahrung müssten diese nicht zwingend vorweisen.

Wer sich hingegen in einem EMBA-Programm weiterbilden wolle, werde ohne Führungserfahrung und ohne mindestens sieben, acht Jahre Berufserfahrung das Bewerbungsverfahren an namhaften Business Schools nicht schaffen, stellt Bürkle fest. "Executive" steht schließlich für "Führungskraft". Die Teilnehmer des Kellogg-WHU-EMBA-Programms an der WHU - Otto Beisheim School of Management in Vallendar am Rhein bringen im Durchschnitt sogar zwölf Jahre Berufs- und sieben Jahre Führungserfahrung mit, berichtet Pressesprecherin Jennifer Willms.

Die Trennung zwischen MBA und EMBA erfolge jedoch nicht aus einem elitären Denken heraus, betont Bürkle von der MBS. Vielmehr solle sie sicherstellen, dass die Teilnehmer möglichst viel von ihren Kommilitonen lernen. "Ein Bereichsleiter mit 15 Jahren Berufserfahrung profitiert in der Regel fachlich wenig vom Erfahrungsaustausch mit jemandem, der in seinem ersten Job gerade einmal ein, zwei kleine Projekte verantwortet hat."

Davon ausgehend unterscheidet sich die Art der Wissensvermittlung in den beiden Programm-Typen. "Beim EMBA dient das Wissen der Teilnehmer als Basis, anhand dessen die Fallbeispiele und die Kurse konzipiert werden", erklärt Bernhard Kraus, Managing Director der Executive Education der School of Management der Technischen Universität München (TUM). Sie bietet Executive MBAs in drei Vertiefungsrichtungen an. Aufgrund ihrer geringeren Berufserfahrung arbeiten Teilnehmer an MBA-Studiengängen hingegen mehr mit Theorie-Fallstudien. Ralf Bürkle ergänzt: "Grundsätzlich ist die Wissensvermittlung im EMBA noch interaktiver und gruppenorientierter als in MBA-Programmen. Frontalunterricht tritt noch mehr in den Hintergrund." Neues Wissen erwerbe man vorwiegend bei gemeinsamen Aktivitäten in Seminaren. Die zu vermittelnden Inhalte seien jedoch ähnlich: "Wir können die BWL, die VWL und den rechtlichen Stoff nicht für den EMBA neu erfinden", stellt der Pressesprecher fest.

Unterschiede zeigen sich hingegen im Studienaufbau. Während MBA-Programme sowohl in Teilzeit als auch in Vollzeit angeboten werden, sind EMBA-Programme grundsätzlich als berufsbegleitendes Studium ausgelegt. "Für eine 45-jährige Führungskraft ist es meist keine Option, ein Jahr lang für ein Studium zu pausieren", begründet Bürkle das Modell.

Allerdings ist beim Teilzeitstudium die zeitliche Belastung nicht zu unterschätzen. Der EMBA an der TUM School of Management umfasst 58 Präsenztage in zwei Jahren. Davon fallen 36 auf Wochentage. "Manche Teilnehmer haben besondere Vereinbarungen mit ihrem Arbeitgeber und werden dann für die Veranstaltungen freigestellt", sagt Managing Director Kraus. Beliebt sei auch die Möglichkeit, den EMBA während der Elternzeit zu absolvieren. Doch auch außerhalb der Präsenzblöcke ist das Studium zeitintensiv. Kraus zufolge müssen die Teilnehmer wöchentlich bis zu zehn Stunden Arbeitsaufwand einplanen. "Im Auswahlgespräch achten wir deshalb besonders darauf, dass sich die Bewerber Gedanken über die Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Familie gemacht haben", erläutert Kraus.

Ein nicht minder wichtiges Thema für die Bewerber ist die Finanzierung. Die Gebühren für EMBA-Programme liegen in der Regel deutlich über denen der MBA-Programme. In Mannheim sind für den einjährigen Vollzeit-MBA 36 000 Euro fällig, für den 18-monatigen EMBA dagegen bis zu 49 500. An der WHU ist der Preis für das zweijährige EMBA-Programm mit 75 000 Euro beinahe doppelt so hoch wie für einen Teilzeit-MBA. Der Hauptgrund laut WHU-Pressesprecherin Willms: Das Kellogg-WHU-EMBA-Programm beinhaltet mehrere Kurzaufenthalte im außereuropäischen Ausland. So können die Teilnehmer des Programms, das die WHU in Kooperation mit der amerikanischen Kellogg School of Management anbietet, einige Module an Hochschulen in Toronto, Hongkong, Tel Aviv, Chicago, Miami oder Peking belegen.

"Außerdem sind in guten EMBA-Programmen Führungstrainings sowie Coachings integriert", erklärt Bürkle von der Mannheim Business School. "Das kostet Geld." Aber nicht alle Teilnehmer müssen die Finanzierung komplett selbst stemmen. "Manche Arbeitgeber übernehmen die Studiengebühren ihrer EMBA-Teilnehmer teilweise oder sogar komplett", berichtet der Pressesprecher. "Schließlich profitieren sie direkt von der praxisnahen Weiterbildung ihrer Mitarbeiter."

© SZ vom 15.10.2015
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