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Cannabis in den USA:Hinter dem Tresen der Cannabis-Apotheke

Cannabis-Patissier und -Chemiker

Essbare Cannabis-Produkte haben wenig mit den Haschkeksen aus der Teenie-Zeit zu tun: Die industrialisierte Produktion von Süßigkeiten wie Plätzchen, Kuchen, Bonbons, Pralinen und Schokoriegel mit Cannabis-Wirkstoffen ist nicht mit dem Backen in der heimischen Küche vergleichbar. Der Konzentrat-Chemiker gewinnt im Labor die Öle mit teuren Geräten aus den Marihuana-Pflanzen. Er hat meistens eine Ausbildung als Laborant oder hat Chemie respektive Lebensmitteltechnologie studiert. Gelernte Feinbäcker verarbeiten das Öl dann industriell weiter und produzieren die berauschenden Lebensmittel nach strengen Vorgaben: In Colorado darf eine einzelne Süßigkeit zum Beispiel nicht mehr als zehn Milligramm des psychoaktiven Wirkstoffs THC enthalten.

Concierge / Touristen-Führer

Eine wachsende Zahl von Urlaubern kommt nach Washington State, Oregon oder Colorado, um zu kiffen. Touristen-Führer - oder etwas edler "Concierge" genannt - helfen ihnen dabei. Wochenend-Touren beinhalten Besuche in Marihuana-Geschäften und auf Plantagen, aber auch Rauchproben, die ähnlich wie Weinproben ablaufen. Der Kunde kann dabei unterschiedliche Produkte probieren und bei Gefallen für daheim einkaufen - wer in einem US-Bundesstaat wohnt, in dem Marihuana illegal ist, darf die Ware allerdings nicht ausführen. Der Markt wächst enorm und mit ihm die Konkurrenz unter den Anbietern. Eine spezielle Ausbildung ist nicht nötig, Quereinsteiger haben gute Chancen.

Budtender

"Bud" ist die Blüte der Cannabis-Pflanze. Mit Budtender ist der Verkäufer und Berater gemeint, der hinter dem Tresen einer Cannabis-Apotheke steht. Ähnlich wie der Bartender in der Kneipe weiß er über sämtliche Sorten Bescheid und berät die Kunden. Er kennt sich - in der Regel aus eigener Erfahrung und durch Lektüre - mit Wirkungen und Nebenwirkungen aus, kann unterscheiden, ob der Rausch den Konsumenten aktiv macht oder eher auf die Couch zieht. Neben Wissen über Produktionsprozesse, Verarbeitung und Trends achten Arbeitgeber vor allem auf ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten - Budtender sind in der Regel gut gelaunte Geschichtenerzähler.

Green Doctor

In Bundesstaaten, die Marihuana nur für medizinische Zwecke abgeben, haben sich spezielle Arztpraxen etabliert, die einzig zur Verschreibung von Cannabis-Produkten existieren. Umgangssprachlich nennt man diese Cannabis-Ärzte auch "Green Doctors". Dabei handelt es sich um zugelassene Ärzte, die wie alle anderen ein Medizinstudium absolviert und sich dann spezialisiert haben. Das verpflichtende Beratungsgespräch läuft in der Regel darauf hinaus, dem Patienten die gewünschte Diagnose (meistens Schlaflosigkeit, Migräne oder Rückenschmerzen) mitzuteilen und ihm die für den Kauf des "Medical Marihuana" notwendige Bescheinigung auszustellen. Dieses Rezept ist dann ein Jahr lang gültig und ermöglicht dem Patienten den Einkauf in Cannabis-Apotheken. Nicht jeder Arzt findet diese Art der Patientenberatung langfristig erfüllend.

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© Süddeutsche.de/sebi/dd
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