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Burn-out am Arbeitsplatz:Burn-out ist keine Krankheit

Burn-out ist weder eine Krankheit, noch ist das Syndrom klar definiert. "Burn-out ist ein Begriff, der für alle möglichen Arten von Stress, Antriebslosigkeit und Formen der Depression verwendet wird", sagt Charité-Arzt Adli. Jeder stelle sich etwas anderes darunter vor. Müde, antriebslos, erschöpft - so wie bei Javier Sayes beginnt Burn-out in den meisten Fällen. Und wird doch oft nicht wahrgenommen, denn zu alltäglich scheinen viele Symptome. Schlaflosigkeit, Infekte, Erkältungskrankheiten, Rücken- oder Kopfschmerzen. Auch so kann sich der Körper beim Burn-out melden. "Die Konzentration wird schlechter, die Aufmerksamkeit schwindet, man wird vergesslicher, grübelt, die Gedanken kreisen", erklärt Adli. Wenn auch soziale Kontakte leiden, sollte man die Notbremse ziehen.

Fest steht, dass die ständige Erreichbarkeit durch Laptop und Smartphone mit dazu beiträgt, dass heute mehr Menschen als früher unter psychischen Störungen leiden. Seit Jahren weisen Mediziner und Arbeitspsychologen auf diesen Zusammenhang hin. Wer immer auf dem Sprung ist, immer bereit zu reagieren, der kann sich nicht erholen. "Die digitalen Medien sind Ausdruck von mehr Komplexität und einer schnelleren Arbeitswelt", sagt Stressforscher Michael Kastner. "Die Menschen haben das Gefühl, die Dinge nicht mehr im Griff zu haben. Das macht krank."

In den Unternehmen kommt das Thema allmählich an, weil Betriebsärzte Alarm schlagen. Bei ihnen melden sich immer mehr Menschen, die völlig erschöpft und kurz vor dem Umkippen sind. Das hat viele Gründe. Auf der einen Seite befragen Ärzte ihre Patienten heute intensiver als früher nach den Arbeits- und Lebensumständen, wenn sie erschöpft wirken, stellt die Bundespsychotherapeutenkammer fest.

Ein anderer Grund ist natürlich, dass viele Unternehmen in der Krise Stellen abgebaut haben und die Arbeit heute von weniger Leuten erledigt werden muss als vor zehn Jahren. Ein weiterer Grund liegt aber auch in der Führung. Mangelnde Wertschätzung, innerbetriebliche Veränderungen und fehlende Leistungsmöglichkeiten sind die Hauptprobleme am Arbeitsplatz, ergab vor einiger Zeit eine Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts Forsa. Gerade an diesem Punkt verFehlzeitenreport - Bürostress macht immer mehr Angestellte kranksuchen Unternehmen anzusetzen.

Die Deutsche Telekom zum Beispiel. Marion Schick ist dort Personalvorstand. Sie hat eine klare Meinung zu Handys und Laptops: "Nicht die Möglichkeiten der Technik sind das Problem, sondern - wie immer - der Umgang damit in einer verantwortlichen Grundhaltung ist es." Übertragen auf die Beziehungen zwischen Chefs und Mitarbeitern bedeute dies: "Wo Führung versagt, fängt Burn-out (leichter) an."

Wichtig seien Regelungen, die den Umgang mit Mails und Telefonaten festlegen, sagt Schick. Bei der Telekom untersagt eine Richtlinie den Chefs, Mails an Mitarbeiter außerhalb der Arbeitszeit zu schreiben. Auch der Autokonzern Volkswagen hat den Umgang mit E-Mails geregelt: Der Server wird nach Dienstschluss einfach heruntergefahren. Solche Vereinbarungen, meint Schick, könnten aber nur flankierend wirken.

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"Wer Führung beherrscht, weiß, wann er stärker steuernd eingreift und wann er sich zurückziehen muss. Nicht jede Mail, die nach Feierabend geschrieben wird, überfordert die Mitarbeiter", betont die Personalchefin. Doch Führungskräfte sollten sich überlegen, ob eine Mail nicht bis zum nächsten Arbeitstag warten kann. Und: "Das, was die Mail auslöst, hängt ganz wesentlich von der Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeiter ab. Da ist von Angst bis hin zur hoch inspirierenden Anregung des gemeinsamen Arbeitens an einer Lösung alles drin."

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