Die gute Seele

Das zeichnet sie aus: "Hier der betriebsinterne Sorgen-Notfalldienst - was kann ich für dich tun?" Ärger mit dem Chef oder der Freundin, schlimmes Kopfweh oder ein kaputtes Auto: Die gute Seele weiß Rat und hat immer ein offenes Ohr. Mit dem Inhalt ihrer Schreibtischschublade könnte man einen Kolonialwaren-Laden ausstatten. Sie lagert Kopfschmerztabletten, Pflaster, Schokolade, ein Nähset, Ersatzstrumpfhosen und weitere Utensilien, von denen man nie angenommen hätte, dass man sie im Büro mal brauchen könnte - bis man sie braucht.

Von dem ihr offiziell übertragenen Job schafft sie zwar nicht viel weg, dennoch ist es die gute Seele, die den Betrieb am Laufen hält.

Das ist der erste Satz morgens: "Tüdelü! Wie lief denn noch dein Date gestern? Und denk dran, dir ein Wasser mit an den Platz zu nehmen - du trinkst doch immer so wenig."

Das sagt der Chef über sie: "Die gute Seele! Sie tratscht zwar ein bisschen viel, aber ihr verdanke ich die Rettung meiner Ehe."

So kommen Sie mit ihr zurecht: Natürlich hervorragend! Solange Sie ihr das Gefühl geben, gebraucht zu werden und sie nicht an Banalitäten wie Produktivität und Zielerreichung messen.

Bild: Illustration Jessy Asmus für SZ.de 11. Mai 2016, 10:402016-05-11 10:40:04 © SZ.de/rus