bedeckt München
vgwortpixel

Brückentage:Aus eins mach vier

Sommer am See

See statt Schreibtisch: Der April bietet gleich mehrere Gelegenheiten für ein verlängertes Wochenende - theoretisch.

(Foto: STA Franz X. Fuchs)

Minimaler Einsatz an Urlaubstagen, maximale Erholung: Das geht mit Brückentagen. Vorausgesetzt, der Chef spielt mit. Welche Regeln für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gelten.

Der April 2014 ist ein guter Monat für erholungsbedürftige Arbeitnehmer. Wer sich zwölf Tage frei nimmt, kann eine Auszeit von mehr als drei Wochen genießen. 23 zusammenhängende Tage sind auf diese Weise drin, weil Ostern und der Maifeiertag relativ nahe zusammenliegen. Soweit die gute Nachricht. Die schlechte: Nicht jeder, der sich eine so lange Auszeit gönnen möchte, wird das Placet seines Arbeitgebers erhalten. Denn bei der Frage, wann und wie lange Arbeitnehmer in die Ferien fahren dürfen, hat der Chef eine Menge mitzureden. Was Beschäftigte wissen sollten.

Brückentage Feier frei!
Günstig gelegene Feiertage 2014

Feier frei!

2014 fallen sämtliche neun bundesweiten Feiertage auf Wochentage. Wer klug vorausplant und Brückentage nutzt, kann also extralange Ferien für sich herausholen - vorausgesetzt, die Kollegen kommen nicht alle auf dieselbe Idee. Im Ernstfall muss der Chef entscheiden.   Von Daniela Kuhr, Berlin

Kann der Chef bestimmen, wie viel Urlaub einem jährlich zusteht?

Ja und nein. Grundsätzlich haben alle Arbeitnehmer in Deutschland einen gesetzlichen Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. "Die meisten Arbeits- oder Tarifverträge sehen zwischen 25 und 30 freie Tage pro Kalenderjahr vor", sagt Katrin Scheicht, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Partnerin bei der Kanzlei Norton Rose Fulbright in München. Vorgeschrieben ist deutlich weniger: Laut Bundesurlaubsgesetz dürfen Beschäftigte lediglich 20 freie Tage pro Jahr verlangen (bei einer Fünf-Tage-Woche). Bei einer Sechs-Tage Woche steigt der Anspruch auf 24 Tage Jahresurlaub. "Diese Grenzen sind allerdings fix" so die Juristin. "Der Arbeitgeber darf sie nicht einmal mit dem Einverständnis eines Mitarbeiters unterschreiten."

Ferner gilt: Was einmal zugesagt ist, kann im Normalfall nicht einseitig zurückgenommen werden. Wer laut Arbeitsvertrag 30 Tage Urlaub pro Jahr erhält, muss also nicht befürchten, dass dieser Anspruch in schlechten Zeiten vom Chef zurechtgestutzt wird.

Ich habe schulpflichtige Kinder. Habe ich ein Recht auf Urlaub in den Ferien?

Einen verbindlichen Anspruch gibt es nicht. Arbeitgeber sind aber gehalten, bei der Urlaubsplanung auf die Wünsche der Belegschaft einzugehen und dürfen diese nur in zwei Fällen ausschlagen. Variante eins: Die Absage erfolgt wegen dringender betrieblicher Erfordernisse, zum Beispiel weil sonst eine Filiale nicht mehr besetzt wäre oder besonders wichtige Aufträge liegen bleiben müssten. Variante zwei erlaubt Ablehnungen, "wenn die Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer, die unter sozialen Gesichtspunkten Vorrang verdienen, entgegenstehen".

So steht es im Gesetz. Mit anderen Worten: Der Arbeitgeber muss in Konfliktfällen auch auf die persönlichen Lebensumstände seiner Mitarbeiter Rücksicht nehmen.

Wer bekommt den Zuschlag an begehrten Terminen wie Brückentagen?

Gibt es mehr Urlaubsanträge, als der Arbeitgeber bewilligen kann, muss er eine Interessenabwägung durchführen. "Haben die Schulen an diesem Tag zu, dürften einmal mehr die Eltern gegenüber den kinderlosen Mitarbeitern im Vorteil sein", so Scheicht. Grundsätzlich werde der Arbeitgeber aber versuchen, jeden Mitarbeiter einmal zum Zug kommen zu lassen. Wer also am Gründonnerstag frei hatte, muss am zweiten Mai zum Dienst erscheinen. "In Unternehmen, die einen Betriebsrat haben, ist ein solches rollierendes System oft sogar per Betriebsvereinbarung festgeschrieben", sagt Rechtsanwältin Scheicht.