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Bore-out-Syndrom:Vertrauen statt Kontrolle? In deutschen Büros schwierig

Zweifelsohne gibt es Berufe, bei denen Dienst nach Plan logisch und sinnvoll ist: Krankenschwestern und Klinikärzte, Fließbandarbeiter, Pförtner oder Polizisten. Aber längst laufen viele Tätigkeiten projektbezogen ab, da wäre es nur konsequent, es den Mitarbeitern zu überlassen, wann sie kommen und gehen und wie schnell sie ihren Job erledigen. Die Aussicht, manchmal schon um 15 Uhr gehen zu können, weil alles erledigt ist, lässt Freude an der Arbeit aufkommen. Stattdessen muss man die Zeit bis mindestens 17 Uhr irgendwie schinden.

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Denn da ist die Angst vor allzu autonomen Angestellten in Deutschlands Unternehmen. Kontrolle durch Vertrauen ersetzen? Schwierig. In deutschen Büros ist und bleibt Tagessieger, wer am längsten durchhält, wer am Abend als Letzter den Aufzug holt. Macht ja nichts, dass er anderthalb Stunden Schnäppchen auf Ebay gesucht oder den Sommerurlaub geplant hat. Hauptsache, man bleibt länger als der Typ im Nachbarbüro. "Da sein ist 80 Prozent des Erfolges", hat Woody Allen mal gesagt.

Eineinhalb bis drei Stunden täglich verbringen Angestellte mit Nichtstun oder Privatem

Eineinhalb bis drei Stunden täglich verbringen Angestellte mit Tätigkeiten, die nichts mit Arbeit zu tun haben, ergaben laut Paulsen internationale Studien. Im Nichtstun oder Anderstun sind manche inzwischen fast genial: Allein ein überladener Schreibtisch sieht nach viel Arbeit aus, selbst wenn die Akten eigentlich längst abgelegt sein könnten. Da wird ein Projekt, das an einem Nachmittag durchzuziehen wäre, über mehrere Tage gestreckt, zwischendurch hat man Zeit für private Erledigungen. Oder man hackt extra eifrig in die Tastatur, allerdings private Mails.

Bürojobs und Computerarbeit bieten beste Bedingungen zum Vortäuschen. Schreiner oder Klempner würden sich schwertun, Beschäftigung zu simulieren. Schreiner oder Klempner sind aber oft selbständig, und da kommt wieder die Autonomie ins Spiel. Selbständige leiden selten an Bore-out. Sind sie mit einem Auftrag durch, gehen sie den nächsten an, oder sie machen Feierabend. Und doch käme man nicht auf die Idee, Selbständigen Faulheit zu unterstellen. Im Gegenteil: Autonomes Arbeiten fördert die Effizienz.