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Boom von Assessment-Centern:"Bücherlesen allein bringt nicht viel"

Wie man die typischen Aufgaben am besten löst, wird in zahlreichen Ratgebern abgehandelt. Coaches wie der Stuttgarter Psychologe Martin Emrich bieten Vorbereitungskurse dafür an. In Kleingruppen erarbeiten Teilnehmer etwa Selbstpräsentationen oder schlüpfen in heikle Rollen wie die des Chefs, der einem Mitarbeiter sagen muss, dass dieser nicht gut riecht. Nach jeder Übung gibt es ein Feedback zu Inhalt und Verhalten - Mimik, Gestik und Stimme werden analysiert. "Zum Glück kann man für AC sehr gut üben. Bücherlesen allein bringt nicht viel, das ist wie beim Tanzen oder Kochen", meint Emrich.

Bewerbung: Worauf Personaler achten

Assessment-Center: Schaulaufen der Bewerber

Führt zu viel üben nicht dazu, dass Bewerber im Ernstfall ihr auswendig gelerntes Programm abspulen und unglaubwürdig werden? Nach Emrichs Angaben bestehen 80 Prozent der Teilnehmer anschließend ihr Auswahlverfahren. Allerdings, gibt er zu, kämen oft diejenigen zu ihm, "die ohnehin sehr gut sind und auf Nummer sicher gehen wollen." Die meisten Kunden seien um die 40 Jahre alt und planten einen Karriereschritt.

Maßgeschneiderte Assessment-Center

Emrich kennt beide Seiten, die der Bewerber und die der Personaler. Seit Mitte der Neunzigerjahre entwickelt und organisiert er auch Assessment-Center für Unternehmen. Deren Ansprüche hätten sich verändert, meint Emrich: "Das AC von der Stange ist nicht mehr gefragt, heute wollen die Unternehmen maßgeschneidert ihre Kultur darin wiederfinden."

So werde etwa gewünscht, dass Fallstudien die aktuelle Wirtschaftslage und Situation des Unternehmens spiegeln - auch aus Marketinggründen, weil die Bewerber davon erzählen. Emrich findet das etwas übertrieben. Die wechselseitige Aufrüstung - immer ausgefeiltere AC, immer besser vorbereitete Bewerber - kommt ihm selbst komisch vor: "Auf beiden Seiten verdienen Psychologen daran, da ist eine eigene Industrie entstanden."

Die Klientin von Monika Koch bereitet sich unterdessen gezielt auf die nächste Veranstaltung ihres Konzerns vor. Diesmal, hofft sie, wird sie es schaffen.