Bologna-Reform Skepsis in der Wirtschaft

Die Vereinheitlichung der Abschlüsse im europäischen Hochschulraum sollte dazu führen, mehr Studenten für die wichtige Erfahrung eines Auslandssemesters zu motivieren. Tatsächlich gestaltet sich inzwischen sogar ein innerdeutscher Hochschulwechsel aufgrund völlig unterschiedlicher Anforderungsprofile mehr als schwierig. Ein Auslandssemester, das auch an der heimischen Uni angerechnet wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt weitestgehend unmöglich.

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Ziele klingen zynisch

Die Wirtschaft zeigt sich dem Bachelorabschluss gegenüber eher skeptisch. Die klassischen Studienabschlüsse werden noch immer bevorzugt, lediglich der Masterabschluss wird nach aktuellen Umfragen von den Vorgesetzten als adäquater Ersatz akzeptiert.

Die beiden Oberziele der Bologna-Reform - Wettbewerbs- und Beschäftigungsfähigkeit - klingen angesichts dieser Erfahrungen in den Ohren der meisten Bachelor-Studenten nur noch zynisch. Denn die begehrten und für die berufliche Zukunft bedeutenden Masterplätze stehen kaum zur Verfügung.

Nicht die Bologna-Reform hat zu diesen drastischen Missständen an den deutschen Universitäten geführt, sondern das Versagen der politisch Verantwortlichen und der völlig überforderten und unterfinanzierten Hochschulen.

Zeit für Kurskorrekturen

Die Kurskorrekturen müssen jetzt kommen; unmittelbar. Doch statt zu handeln, schieben sich die Verantwortlichen in Politik und Bildung den schwarzen Peter gegenseitig zu - und rücken damit eine notwendige und zukunftsweisende Reform in ein unverdient schlechtes Licht.

Es ist höchste Zeit zu handeln. Der wöchentliche Arbeitsaufwand muss sofort auf maximal 39 Stunden reduziert, die Regelstudienzeit von sechs auf acht Semester erweitert werden. Die Prüfungsdichte muss entzerrt werden, um nachhaltiges Lernen wieder sicherzustellen. Studenten müssen ihre Lehrpläne wieder flexibler und eigenverantwortlicher gestalten können. Und die Hochschulen müssen eine adäquate Anzahl an Masterplätzen in Relation zu den Bachelorabsolventen bereitstellen. Nur durch diese föderal einheitlich umgesetzten Sofortmaßnahmen wird das Studium in Deutschland der eigentlichen Bologna-Idee gerecht werden.

All das kostet Geld. Doch nur so kann aus dem Wunsch auch Wirklichkeit werden.

Die Autorin, 32, studiert im dritten Semester Psychologie an der LMU München. Bevor sie ihr Studium begann, war sie elf Jahre im Verlagswesen tätig.

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