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Bologna-Konferenz:Randale während der "Schavan-Show"

Auf der Konferenz zur Bologna-Reform in Berlin empören sich Studenten über die Bildungsministerin - und die zeigt sich emotional wie selten.

Ein "Impulsreferat" über die Studienbedingungen nach der Bologna-Reform soll Margret Wintermantel, Präsidentin der Konferenz der Hochschulrektoren (HRK), eigentlich halten. Doch schnell kommt sie aufs Geld zu sprechen beim Bologna-Gipfel, zu dem Bundesbildungsministerin Annette Schavan Studenten, Politiker und Rektoren am Montag nach Berlin geladen hat: "Wir brauchen ein Rettungspaket für fleißige Studierende dringender als für faule Kredite", sagt Wintermantel, "wenn wir die Spardiskussionen der letzten Tage hören, dann wird uns Angst und Bange".

Bologna Konferenz Studium

Die Teilnehmer der Bildungsstreik-Initiative, Hannah Eberle und Jakob Lohmann, posieren am Rande der Konferenz zur Bologna-Reform vor der Humboldt-Universität in Berlin mit einem Protestflyer.

(Foto: Foto: ddp)

Immer geht es um Geld

Schon jetzt seien die Betreuungsverhältnisse für die Studenten schlecht - und die Bologna-Reform weise gerade deshalb so viele Defizite bei der Umsetzung auf. Auch viele andere Beiträge landen früher oder später bei den Finanzen. "Natürlich kann man Ausgaben verschieben, etwa den Bau einer Brücke - aber nicht bei der Zukunftsinvestition Bildung", sagt Jan-Hendrik Olbertz, Kultusminister von Sachsen-Anhalt. Und Anja Gadow vom studentischen Dachverband fzs meint: "Es knirscht ja schon jetzt an allen Ecken und Enden."

Wie sollte es auch anders sein knapp eine Woche, nachdem Hessens Ministerpräsident Roland Koch mit seiner Forderung nach einem Sparkurs auch in der Bildung ein Tabu gebrochen hat. "Ministerpräsidenten stellen bekanntlich nicht den Bundeshaushalt auf", lautet Schavans Kommentar dazu.

Zwei Milliarden für zehn Jahre

Um Budgets geht es auch bei Schavans schon seit einigen Wochen bekannten Plänen, die sie nun erstmals konkretisiert: eine dritte Säule im Hochschulpakt, speziell für die Verbesserung der Lehre. Der Qualitätspakt sieht zwei Milliarden Euro für zehn Jahre vor, etwa für neue Professuren sowie eine "Akademie der Lehre", die innovative Konzepte entwickeln soll.

Die Ministerin geht davon aus, dass die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten beim Bund-Länder-Treffen am 10. Juni die Finanzierung billigen. Doch zu Jubelstürmen veranlasst das auf der Konferenz kaum jemanden: HRK-Chefin Wintermantel ringt umständlich mit Worten, die ungefähr bedeuten sollen: "Besser als nichts." Zumal der Wissenschaftsrat von 1,1 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich spreche, um eine wirklich qualitative Lehre zu ermöglichen.

Sie kann nicht punkten

Mäßig begeistert von Schavans Idee sind auch die Studenten: Zwei Milliarden auf zehn Jahre - bei mehr als 300 Hochschulen im Land "ein Tropfen auf den heißen Stein", rechnet einer vor.

So richtig punkten kann Schavan also nicht. Dass der Gipfel dennoch ein starker Auftritt von ihr wird und man sie so emotional wie selten sieht, liegt an einem Zwischenfall. Drei Bildungsstreik-Aktivisten sorgen für einen Eklat, als sie plötzlich den Saal verlassen - Vorwürfe an die Ministerin richtend und Flugblätter verteilend. Eine "inszenierte Komödie", eine "Schavan-Show" sei der Gipfel, steht auf den Zetteln.

Kampf den Eitelkeiten

"Der erfolgreiche Dialog darf nicht in Eitelkeiten enden", erwidert Schavan dann aufgebracht in einer Verteidigungsrede. Zur Verbesserung der Bologna-Reform seien die Studenten mehr denn je eingebunden worden.

Zur Reform, dem eigentlichen Thema, gibt es an diesem Tag allerdings nicht mehr als eine Bestandsaufnahme. Bei der Kernforderung vieler Studenten nach einem freien Master-Zugang nach dem Bachelor bleiben Politik und Rektoren stur. Die Korrekturen an den Bachelor-Studienordnungen, die seit den Protesten 2009 vielerorts laufen, sollen weitergehen, heißt es.

Es interessiert eh keinen

Ein Wirtschaftsvertreter gibt den Studenten noch mit auf den Weg, dass "nach zehn Tagen im Unternehmen ohnehin keiner mehr fragt, welchen Abschluss man hat." Im kommenden Jahr, so Schavan übrigens im Schlusswort, soll der Gipfel erneut stattfinden.

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