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Bildungsstreik:Sobald es konkret wird, endet der Konsens

Verteilungskämpfe im Bildungssystem

Schlechte Betreuung an den Unis ist außerdem nicht nur die Folge fehlenden Geldes. Wenn Professoren ihre Lehre vernachlässigen oder überfrachtete Studienordnungen erlassen, sind Politiker nicht die richtige Adresse für den Protest. Schnell einig sind sich Schüler, Studenten, Lehrer und Professoren, wenn es darum geht, pauschal mehr Geld zu verlangen. Doch es gibt auch Verteilungskämpfe innerhalb des Bildungssystems. Hauptschullehrer verdienen weniger als Gymnasiallehrer; Professoren an Fachhochschulen müssen mehr lehren als ihre Kollegen an den Universitäten; Kurse in Physik sind selten voll, die Germanisten oder Juristen dagegen froh, wenn sie einen Platz im Seminar ergattern - die Probleme und Perspektiven unterscheiden sich.

So erklärt sich die Distanz, die manche Lehrer gegenüber den Demonstranten einnehmen. In dem Streikbündnis dominieren linke Gruppen, die beispielsweise auch dafür kämpfen, das gegliederte Schulsystem zu überwinden. Da wollen viele Pädagogen, vor allem an den Gymnasien, nicht mitmachen. Der Parole "Mehr Bildung!" kann sich fast jeder anschließen, doch sobald es konkret wird, endet der Konsens, auch unter den Schülern und Studenten.

Ende der Woche wollen die Demonstranten symbolische Banküberfälle inszenieren, was Konservative empört. Die Aktivisten treibt der Frust darüber, dass Banken Milliardenkredite bekommen, Schulen und Unis aber schon seit langem in Not sind. Man kann die Aktion naiv oder populistisch nennen, weil es ja nicht so ist, dass sich der Finanzminister darum gerissen hat, die Staatskasse für Banken zu plündern. Doch das Zeichen, das die Schüler und Studenten setzen, ist keineswegs radikal. Sie erinnern nur daran, dass der Staat ein Kerngeschäft hat: seine Schulen und Hochschulen.