Bildungspolitik in Deutschland Ein Schuldenverbot muss her

Dabei sage ich nicht, dass sich nichts ändern muss. Im Gegenteil: Der richtige Bildungsansatz liegt in einer Optimierung der gewachsenen und entgegen mancher Bildungspropaganda auch bewährten Strukturen. Man muss dazu nicht das Erfolgsmodell Gymnasium beschneiden. Fast alle Kinder sind heute in der Regel bereits vom vierten bis zum zehnten Lebensjahr zusammen, vom Kindergarten bis zum Ende der vierklassigen Grundschule. Wenn gemeinsames Lernen soziale Unterschiede ausgleichen soll, dann doch besser früh als spät! Im Kindergarten, in der Vorschule sollte mit Innovationen und Investitionen angesetzt werden, um gerade auch Kinder aus bildungsfernen Familien optimal zu fördern.

An einer Reform der Bundesländer kommt man auf dem Weg zu einer besseren Schulpolitik nicht vorbei.

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Das Ergebnis des Hamburger Volksentscheids ist auch eine Absage an die Legende, Kinder würden in Deutschland frühzeitig "aussortiert". Mehr als 50 Wege führen in Deutschland zum Erwerb einer Berechtigung zum Studieren. Je nach Bundesland erwerben zwischen 43 und 50 Prozent ihren Hochschulzugang außerhalb des Gymnasiums. Das ist Ausdruck begabungsgerechter, individueller Förderung. Entscheidend ist der Bildungsgrundsatz: Kein Abschluss ohne Anschluss. Wer sich weiter qualifizieren will, muss das tun können. Generell ist wieder mehr Respekt notwendig vor unterschiedlichen Leistungen und Begabungen. Der Mensch beginnt nicht beim Abitur oder mit der Hochschule. Wir können auch nicht ein Volk von Geisteswissenschaftlern sein, davon allein können wir nicht leben. Manche haben ihre Begabung mehr im kognitiven Bereich, andere sind geschickter mit ihren Händen. Wer als Akademiker heute in einer modernen Autowerkstätte bei der Inspektion seines Fahrzeugs zusieht, wird sehr schnell bescheiden angesichts dieser hochwertigen Arbeit.

Allzu oft vergessen in der Bildungsdebatte werden die Familien. Eltern haben Rechte, aber auch Pflichten. Es gibt auch eine Verantwortung von Eltern für die Bildung und Förderung ihrer Kinder, die ihnen der Staat nicht allzu bereitwillig abnehmen sollte. Sich seinen Kindern zu widmen, zum Beispiel mit ihnen einmal in eine Bücherei zu gehen und ihnen vorzulesen, ist weniger eine Frage des Geldbeutels als des Willens.

Ich bin davon überzeugt, dass schon in wenigen Jahren ein Reformschritt erfolgen wird, der bisher immer wieder vertagt wurde: die Neugliederung der Bundesländer. So schön es ist, dass das Saarland selbständig ist, so schön es ist, dass wir die Stadtstaaten haben, und so eindringlich Brandenburg und Berlin erklärt haben, nicht zusammengehen zu wollen - diese verständlichen Emotionen werden eine föderale Neuordnung Deutschlands nicht mehr aufhalten.

Eine historische Änderung des Grundgesetzes wird diese Neuordnung erzwingen: die Schuldenbremse, also das Verfassungsprinzip, dass der Bund und auch jedes Land künftig mit seinen Einnahmen auskommen muss. Aus Gründen der Generationengerechtigkeit und zur Stabilisierung des Euro ist dieses Schuldenverbot ohne Alternative. Finanzschwächere Länder werden zu Fusionen gezwungen sein, um diese Schuldenbremse einzuhalten und die notwendige Leistungsfähigkeit zu erreichen. Sieben oder acht Bundesländer auf Augenhöhe würden die Bildungsideale der Föderalismusreform vielleicht besser mit Leben erfüllen. Zum Wohl der Kinder und in Verantwortung für ganz Deutschland.