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Bildungsforschung:Auf der Suche nach Kompetenz

Pisa, Assessment-Center, IQ-Tests: Bildungsforscher entwickeln immer mehr Instrumente - doch lassen sich mit ihnen wirklich Kompetenzen messen?

Ein angehender Arzt untersucht einen virtuellen Patienten am Bildschirm und muss herausbekommen, was ihm fehlt. Wenn er bei der Diagnose Fehler macht, wirkt sich das auf den simulierten Kranken aus. Schüler beweisen bei Pisa-Tests, ob sie einen Stadtplan lesen oder eine Grafik über Karies richtig interpretieren können. Eingangstests für Schulen, Universitäten und Arbeitsstellen messen heute, was ein Bewerber in komplexen Situationen zu leisten vermag. Das Schlagwort heißt: Kompetenzdiagnostik.

Atome im Chemieunterricht: Moderne Kompetenztests begnügen sich nicht damit, dass Schülder die Fakten kennen.

(Foto: Foto: dpa)

Wer von "Kompetenzen" spricht, geht davon aus, dass sie erlernbar und formbar sind. Während Intelligenztests auch die zum Teil angeborenen Potentiale einer Person messen, werden nun Fähigkeiten beurteilt, die ein Kind, ein Jugendlicher oder Erwachsener in verschiedenen Situationen anwenden kann. Es reicht nicht aus, einfach nur schlau zu sein oder bestimmte Zensuren vorzuweisen - das Geschick und die Fähigkeiten müssen unter Beweis gestellt werden.

Hohe Erwartungen

Hohe Erwartungen sind mit der Kompetenzmessung verbunden. Pädagogen hoffen, Kinder besser fördern zu können: Eine differenzierte Diagnostik helfe zu sehen, wo ein Kind besondere Probleme habe, sagt die Sprachexpertin Sabine Weinert von der Universität Bamberg. Auch ganze Bildungssysteme können nur verbessert werden, wenn man weiß, wo ihre Schwächen liegen. "Ohne Kompetenzdiagnostik", sagt der Bildungsforscher Eckhard Klieme vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), "kann man keine Schulevaluation betreiben, kann man kein Systemmonitoring, wie beispielsweise bei Pisa, betreiben."

Personalchefs setzen auf sogenannte Assessment-Center, um die besten Arbeitskräfte auszuwählen. Und Politiker versuchen, Bildungsabschlüsse so zu definieren, dass sie international besser miteinander verglichen werden können. Diesem Ziel folgt etwa der von der EU initiierte "Europäische Qualifikationsrahmen". Alle von 2012 an erworbenen Qualifikationen sollen acht Stufen zugeordnet werden und darstellen, "was ein Lerner weiß, versteht und umsetzen kann". Um so wichtiger wird es, dass Kompetenzen auch richtig gemessen werden.

Wissen und Können, Emotionen und Einstellungen

Ob sich jemand auf einem Stadtplan zurechtfindet, richtig spricht oder ein Arzt die richtige Diagnose trifft, ist noch recht gut überprüfbar, der Sinn der Tests einsichtig. Doch es gibt auch weniger plausible Ansätze: Um soziale Kompetenzen zu erfassen, entwickeln Wissenschaftker eine virtuelle Welt. Testpersonen sollen darin Meinungen zu verschiedenen Themen vertreten, sich unterhalten und Testaufgaben miteinander lösen. Ihre - virtuellen - Bewegungen und Blickkontakte zu anderen werden zu Merkmalen ihrer Persönlichkeit in Beziehung gesetzt, um daraus Stufen der sozialen Kompetenz abzuleiten. Doch Zweifel bleiben: Lassen sich Kompetenzen auf diese Art messen? Ist die simulierte Situation wirklich der realen gleichzusetzen?

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat ein großes Schwerpunktprogramm zu "Kompetenzmodellen" mit 23 Projekten eingerichtet, das Eckhard Klieme vom DIPF und Detlev Leutner von der Universität Duisburg-Essen koordinieren. Hier werden Konzepte und Verfahren entwickelt, mit denen sich Kompetenzen beschreiben und erfassen lassen. Darauf aufbauend werden empirische Messinstrumente erprobt; und schließlich soll auch untersucht werden, wie die Ergebnisse von Pädagogen genutzt werden können. Die Forscher des DFG-Programms beschränken sich auf das Testen von Wissen und Können, betrachten also nicht Emotionen und Einstellungen, die bei Kompetenzen ebenfalls eine Rolle spielen. "Einstellungen drücken persönliche Werte aus, die man nicht als als richtig oder falsch bewerten kann. Man kann sie messen, aber nicht als Norm oder Standard bewerten", sagt Eckhard Klieme.

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