BildstreckeDoppeltes Einkommen, doppelte Last

Wie schaffen es Eltern, die beide berufstätig sind, Familienleben und Job zu verbinden? Es ist hart, aber es geht - drei Fallbeispiele. Protokolle: Felix Berth, Sarina Märschel

Anke Lessmann, 42, ist Managerin in einer Unternehmensberatung. Sie schätzt, dass sie pro Woche ungefähr 80 Stunden arbeitet. Ihre Tochter ist sechs Jahre alt.

"Nachmittags ist unsere Tochter im Hort, abends ist mein Mann für sie da. Er arbeitet zwar auch Vollzeit, aber er achtet darauf, dass es bei ihm nicht wesentlich mehr als vierzig Stunden werden. Ich versuche schon auch, zum Abendessen zuhause zu sein, doch das klappt nur selten. Spätabends lege ich oft Nachtschichten ein. Letzte Nacht zum Beispiel habe ich um zwei Uhr den Rechner runtergefahren. Manchmal nervt das. Aber ich arbeite lieber 80 Stunden in meiner Firma als 40 woanders, ich liebe meinen Job. Und ich vermute, dass ich kein ganz gewöhnliches Rollenvorbild für meine Tochter bin. Sie hat jahrelang nicht geglaubt, dass auch Frauen kochen können. Denn das erledigt bei uns mein Mann; der kann es besser.

Ob wir ein entspanntes Familienleben haben? Entspannt vielleicht nicht gerade, aber befriedigend. Wir checken das auch immer wieder: Ist mein Arbeitspensum für die Familie okay, oder geht es zu Lasten unserer Tochter? Und meistens spüren wir, dass es passt. Gerade, wenn wir unsere Tochter anschauen: ein offenes, glückliches Kind, das in sich ruht. Solange es ihr so gut geht, wissen wir, dass unsere Lebensweise für uns richtig ist.

Ein zweites Kind planen wir nicht. Ich bin spät Mutter geworden. Und wir haben so ein Glück mit unserer Tochter, dass wir es dabei belassen wollen."

14. Mai 2008, 18:112008-05-14 18:11:00 ©