Bewertung vom Chef Ist im Arbeitszeugnis alles so gemeint, wie es klingt?

Die Zeugnissprache ist eine eigene Sprache, die nur Lob kennt - das kann allerdings mitunter sehr vergiftet sein. Was bestimmte Formulierungen im Zeugnis wirklich heißen, lesen Sie hier.

Welche hintergründigen Informationen stehen in meinem Zeugnis?

Der Code in den qualifizierten Zeugnissen - also jenen, in denen die Beurteilung der Leistung im Vordergrund steht - kennt verschiedene Verfahren.

Einerseits gibt es die sogenannte Leerstellentechnik, dabei fehlen bestimmte Angaben im Zeugnis - entweder im formalen Aufbau oder inhaltlich. Experten sehen das als einen Hinweis darauf, dass der Arbeitnehmer nicht wichtig war oder schlecht gearbeitet hat. Auch kann es passieren, dass Schlüsselqualifikationen für einen Job, etwa die Kreativität bei einem Designer oder die Genauigkeit bei einem Buchhalter, nicht erwähnt werden - dafür aber vergleichsweise unwichtige Dinge über den grünen Klee gelobt werden. Auch wenn etwa eine Aussage zum Fachwissen fehlt, kann das bedeuten, dass die Kenntnisse schlicht mangelhaft waren. "Beredtes Schweigen" nennen das die Personaler - und wissen sehr wohl, wie das zu beurteilen ist.

Ein Hinweis für einen versteckte Beurteilung unter der Oberfläche kann neben der Leerstellentechnik die sogenannte Reihenfolgetechnik sein, denn auch wenn etwas falsch angeordnet ist, spricht das eine klare Sprache über den Arbeitnehmer. Dabei erfolgt eine Abwertung dadurch, dass unwichtige oder weniger wichtige Aussagen vor wichtige Aussagen gesetzt werden. Die Experten raten, sich nach Erhalt des Zeugnisses in Ruhe hinzusetzen und die vermeintlich gut klingenden Sätze genau durchzulesen.