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Bewerbungsgespräch:Feuer und Flamme

Auswahlgespräche für einen Masterplatz gestalten Professoren unterschiedlich. Wichtig ist aber immer, dass Bewerber ihre Motivation spürbar werden lassen.

Von Bianca Bär

Zeugnisse müssen beglaubigt, Online-Formulare ausgefüllt und Lebensläufe aktualisiert werden - in diesen Wochen bereiten sich Bachelorabsolventen auf den Wettkampf um Masterstudienplätze vor. Denn an vielen Hochschulen endet die Bewerbungsfrist für zulassungsbeschränkte Studiengänge am 15. Juli. Manche Auswahlkommissionen haben zudem ein persönliches Auswahlgespräch als Hürde eingebaut.

"Dieses Gespräch kann man sich wie ein Bewerbungsgespräch vorstellen", erklärt Ludger Lampen von der Zentralen Studienberatung der Ruhr-Universität Bochum (RUB). "Dabei werden besonders die Motivation, die Eigenständigkeit sowie die fachliche Eignung bewertet." Ob und in welcher Form das Zulassungsverfahren ein Auswahlgespräch beinhaltet, ist in der Prüfungsordnung des jeweiligen Studiengangs festgelegt. "An der RUB ist das Auswahlgespräch besonders bei exotischeren Masterstudiengängen, die thematisch stark spezialisiert und forschungsorientiert sind, vorgesehen", erklärt Lampen. Als Beispiele nennt er "Film und audiovisuelle Medien" sowie "Molecular und Developmental Stem Cell Biology". Sei die Zahl der Bewerber geringer als die der Studienplätze, finde häufig kein Auswahlgespräch statt. Schließlich sei das Verfahren mit enormem Aufwand verbunden: An der RUB widmet sich eine dreiköpfige Auswahlkommission aus Professoren, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Protokollführern jedem Bewerber etwa 30 Minuten lang.

An der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München sind persönliche Gespräche bei knapp 25 Prozent der 125 Masterprogramme fester oder optionaler Bestandteil des Zulassungsverfahrens. Im Falle des Masters English Studies zum Beispiel nehmen nur solche Bewerber an einem Auswahlgespräch teil, die in einem vorangegangenen Sprachtest mittelmäßig, aber auch nicht allzu schlecht abgeschnitten haben. "Wir möchten sie persönlich etwa 15 Minuten lang anhören, um zu einer realistischen Einschätzung über ihre Englischkenntnisse zu gelangen", erklärt Enno Ruge, der als Mitglied der Auswahlkommission die Gespräche führt.

An der Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) finden dagegen für alle Masterstudiengänge Auswahlgespräche statt. "Insbesondere bei relativ kleinen Programmen ist die Zusammensetzung eines Semesters mit motivierten und leistungsbereiten Studierenden ausschlaggebend für den Erfolg", betont Pressesprecherin Anja Wischer. So seien beim Masterstudiengang "Internationales Management Asien" nur 15 Studienplätze zu vergeben. Über die Einladung zum Gespräch entscheidet die Bachelornote. "Von den 45 eingeladenen Kandidaten werden 20 bis 25 zugelassen, von denen sich dann erfahrungsgemäß 15 immatrikulieren", stellt Wischer fest. Schließlich bewerben sich Bachelorabsolventen häufig für mehrere Masterstudienplätze an verschiedenen Hochschulen und wählen dann den Platz aus, der ihnen am besten zusagt.

Da Ablauf und Inhalt der Gespräche von Programm zu Programm variieren, rät Ludger Lampen von der RUB den Interessierten, mit der Studienberatung der jeweiligen Fächer zu sprechen. "Dort kann man nachfragen, was man zur Vorbereitung lesen und zu welchen Fragen man sich Gedanken machen sollte." Sinnvoll sei es auch, zum Gespräch die Bachelorarbeit sowie eine Übersicht zu den Studienleistungen zum Gespräch mitzubringen und daran anzuknüpfen. "Auch die, die nicht die beste Bachelornote haben, bekommen die Möglichkeit, ihre Motivation für den Studiengang zu verdeutlichen und so ihre Zulassungschancen zu verbessern", ergänzt er.

"Einige Fächer möchten auch Ideen für zukünftige, eigene Forschungsprojekte hören", ergänzt Lampen. Anja Wischer von der HTWG Konstanz empfiehlt den Bewerbern, sich klar darüber zu werden, aufgrund welcher persönlicher Eigenschaften, Erfahrungen und Zukunftspläne sie sich für das jeweilige Programm als geeignet erachten. "Zum Teil wird auch geprüft, ob der Bewerber sich mit dem Fächerangebot und den Vertiefungsfächern auseinandergesetzt hat", sagt die Pressesprecherin. Wie unterschiedlich die Bewerbungsphase aussehen kann, zeigen die folgenden drei Protokolle.

"Life Science, Economics and Policy heißt der Studiengang, auf den ich beim Besuch eines Master-Infotags an der Technischen Universität München gestoßen bin. In dem englischsprachigen Programm geht es vor allem um Landwirtschaft und die Nahrungsmittelindustrie. Das sind Themen, die mich sehr interessieren, schließlich schreibe ich auch gerade meine Bachelorarbeit im Fach Geografie über den Trend zur Bio-Nahrungsmittelproduktion. Um mehr über den Studiengang herauszufinden, habe ich mich mit dem verantwortlichen Studiendekan für ein persönliches Beratungsgespräch getroffen. Der Dekan riet mir etwa, im Motivationsschreiben, das ich im ersten Schritt des Zulassungsverfahrens verfassen musste, meine Beweggründe besser kurz und knapp zu formulieren. Zudem musste ich einen Online-Antrag ausfüllen und die erforderlichen Englisch-Sprachkenntnisse nachweisen. Außerdem stand eine sogenannte Curriculum-Analyse an, bei der ich meine bisher belegten Kurse angeben sollte. Meine Bachelornote sei eher zweitrangig, sagte der Dekan. Ausschlaggebend für die Zulassung sei vielmehr das persönliche Gespräch, das auf eine erfolgreiche schriftliche Bewerbung folge. Anfang Mai habe ich die erforderlichen Unterlagen abgeschickt und warte nun auf eine Einladung zum Auswahlgespräch. Zur Vorbereitung lese ich einige englischsprachige wissenschaftliche Texte zum Thema Landwirtschaft, insbesondere mit Bezug zur entsprechenden EU-Politik. Falls ich nicht genommen werde, habe ich noch einen Plan B im Hinterkopf: den Master-Studiengang Geografie an der LMU. Doch auch dort herrschen strenge Zulassungsvoraussetzungen: Einem persönlichen Auswahlgespräch ist in dem Fall ein schriftlicher Wissenstest vorgeschaltet."

"Noch während ich an meiner Bachelorarbeit im Fach BWL mit Schwerpunkt Psychologie saß, habe ich mich für den Master-Studiengang Unternehmensführung an der HTWG Konstanz beworben. Auf eine schriftliche Bewerbung folgte eine Einladung zum Auswahlgespräch. Im Vorfeld hatte ich mir zwar noch mal die Inhalte dieses Masters eingeprägt, aber ansonsten hatte ich mich nicht groß vorbereitet. Ich war schließlich mit dem Wissen gewappnet, das ich im Bachelorstudium und bei Praktika erworben hatte. Das Gespräch fand in angenehmer, lockerer Atmosphäre mit zwei Professoren statt. Sie waren sehr offen und nett mir gegenüber und überhäuften mich nicht gleich mit Wissensfragen. Zunächst gaben sie mir die Möglichkeit, aus meiner Vergangenheit zu erzählen und meine Motivation für genau dieses Masterprogramm darzulegen. Bei Fragen wie ,Wenn wir Ihren Vater anrufen würden, mit welchen Argumenten würde er sich für Sie einsetzen? Wie würde Ihr Professor Sie beschreiben?', stand dann meine Persönlichkeit im Mittelpunkt. Auch um fachliche Kenntnisse aus meinem Bachelorstudium ging es. So musste ich einige Fragen zu meinen BWL-Kenntnissen beantworten. Die Professoren nahmen sich für jeden Bewerber fast eine ganze Stunde Zeit, um mit Gewissheit diejenigen auszuwählen, die wirklich überzeugt von diesem Programm sind. Denn da insgesamt nur 15 Studienplätze vergeben werden, wäre es schade, wenn die Ausgewählten wenige Wochen nach Semesterbeginn abspringen würden oder nicht motiviert genug wären. Ich landete zuerst auf der Warteliste, konnte aber nachrücken - zum Glück, denn ich bin sehr zufrieden mit dem Programm, fühle mich von den Professoren gut betreut und in unserer kleinen Gruppe sehr wohl."

"Nach meinem Ethnologie-Bachelorstudium in Freiburg habe ich nach einem Masterstudium gesucht, das etwas mehr Bezug zur Praxis hat. Dabei fiel mir der Master-Studiengang ,Interkulturelle Kommunikation' an der LMU in München ins Auge. Um dafür zugelassen zu werden, musste ich ein zweistufiges Auswahlverfahren durchlaufen. Zuerst musste ich neben den gängigen Bewerbungsunterlagen einen ein- bis zweiseitigen Aufsatz zu einem festgelegten Thema einreichen. Ich schaffte es in die zweite Runde und wurde zum persönlichen Gespräch eingeladen. In den Tagen davor hatte ich mir die Internetseite des Studiengangs genau durchgelesen und mir überlegt, welche Fragen auf mich zukommen könnten, zum Beispiel über meine Stärken und Schwächen.

In dem Gespräch, bei dem ein Professor, ein weiterer Dozent und eine Protokollführerin anwesend waren, kamen dann aber ganz andere Fragen auf mich zu. So musste ich zum Beispiel einige ethnologische und soziologische Fachbegriffe erklären. Außerdem waren meine Bachelorarbeit und meine Auslandserfahrungen ein zentrales Thema. Das Gespräch dauerte etwa 15 Minuten. Zwischendrin war ich aufgeregt, verwirrt und etwas verunsichert, da ich manchmal nicht wusste, worauf die Auswahlkommission mit ihren Fragen hinauswollte. Aber am Ende hatte ich ein ganz gutes Gefühl.

Schon nach wenigen Tagen landete dann tatsächlich die Zusage in meinem Briefkasten. Bevor ich mich aber endgültig für dieses Studium entschied, kontaktierte ich über die Fachschaft des Studiengangs eine damalige Studentin, um zu erfahren, ob sie mir das Programm weiterempfehlen könne. Mein Ratschlag an alle, die sich demnächst bewerben, ist, sich bei der Fachschaft auch schon über das Auswahlgespräch zu informieren. Aber man sollte sich auch nicht verrückt machen: Es wird kein perfektes Auftreten erwartet, wohl aber, dass man reflektiert über seine bisherigen Erfahrungen sprechen kann."

© SZ vom 09.06.2016

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