Bewerbungen von Müttern Qualifikation ist alles

Lothar Hoss ist Vorsitzender des Bundesverbandes Selbständiger Personalleiter - und sieht den Wiedereinstieg von Mehrfach-Müttern zwiespältig. "Das Gros der Personaler wird sich immer für die sichere Variante entscheiden - und das ist nicht die Mutter, die mehrere Jahre nicht im Beruf war", sagt er. Das Problem sei aber in den meisten Fällen nicht die fehlende Flexibilität der Frauen. "Das Problem ist, dass sie nicht mehr wissen, was in ihrer Branche läuft und oft auch den Anschluss an die Technologien verloren haben."

Hoss rät daher Müttern, die nach einer Familienphase wieder in den Beruf einsteigen wollen, sich von langer Hand fit zu machen für den Job. "Da muss man eventuell auch mal Geld in die Hand nehmen und eine Fortbildung besuchen", sagt er. Eine weitere Möglichkeit: "Oft kann man ein reduziertes Stundenkontingent aushandeln, etwa für Urlaubsvertretungen und so langsam wieder einsteigen." Das funktioniere oft recht unproblematisch, wenn sich eine Frau aus einem unbefristeten Vertrag in einem Unternehmen in den Mutterschutz verabschiedet hat. Frauen, die einen echten Neuanfang mit einer feste Stelle finden wollen, haben es allerdings deutlich schwerer.

Das hat auch Susanne Wagner - oftmals schmerzlich - feststellen müssen. "Ich bin in den Beruf eingestiegen, als ich schon Kinder hatte", sagt sie. Denn ihr ältester Sohn ist gleich nach dem Studium zur Welt gekommen. Am meisten ärgert sie, dass Personaler Frauen mit Kindern nicht so recht ernst nehmen - und ihnen nicht zutrauen, Karriere und Kinder unter einen Hut zu bringen. "Am schlimmsten ist das bei Chefs, deren Frau mit mehreren Kindern eben nicht arbeitet."

Weil sie bei Unmengen von Bewerbungen nicht mal bis ins Vorstellungsgespräch gekommen ist, hat sich Susanne Wagner nach der Geburt ihres vierten Kindes für eine klare Linie in ihren Unterlagen entschieden: "Meine Kinder und mein Familienstand kommen darin nicht vor."

Diese Linie unterstützt auch die Karriereberaterin Helga Krausser-Raether. "Es kann ja nicht sein, dass Frauen mit besten Qualifikationen nur deswegen aussortiert werden, will sie Kinder haben", sagt sie. Allerdings rät auch sie den Frauen, schon in der Schwangerschaft das Gespräch mit ihren Chefs zu suchen - und dabei Lösungen anzubieten. "Kein Vorgesetzter will mit Problemen konfrontiert werden", sagt Krausser-Raether. "Daher sollte man sich überlegen, wie es nach Geburt und Elternzeit weitergehen kann - und glasklare Lösungen präsentieren."