Bewerbung mit Video:Film ab für den Job

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Stichwortzettel in der Tasche

Die Videojournalistin hält nichts davon, den Text auswendig zu lernen. "Es ist Denkarbeit genug, darauf zu achten, dass man die Kamera wie einen Zuschauer behandelt. Zusätzlich noch einen Text fehlerfrei aufzusagen, klappt meist nicht." Lieber einen Stichwortzettel mit einem roten Faden in der Tasche haben und ansonsten frei sprechen. So entsteht eine lockere Situation, die durch ein kurzes Innehalten und Nachdenken oder ein spontanes Lachen erst so richtig natürlich wirkt: "Brecht nicht gleich ab, wenn es nicht perfekt läuft", rät Bruha, "denn es verrät viel über eure Persönlichkeit, wie ihr mit Pannen umgeht. Im besten Fall kommt ihr charmant 'rüber."

Authentisch zu sein, glaubt die improvisationserprobte Reporterin, kann man am besten alleine üben. Der Freund, der einem mit der Kamera in der Hand gegenübersteht, hemmt nur. Und um sich auf den eigenen Auftritt zu konzentrieren, braucht man Ruhe. "Erst wenn ihr beim Ansehen der Aufnahme denkt: 'Das bin jetzt wirklich ich!', seid ihr bereit, das Material zu drehen, das ihr braucht", sagt Bruha. Das ist nicht mal eben schnell in der Freistunde gemacht!

Begeisterungsstürme in der Personalabteilung

Wie erfolgversprechend das Ganze eigentlich ist, kann heute übrigens noch niemand sagen. Dazu ist der Trend zu wenig erforscht. Noch vor ein paar Jahren wurden Bewerbungsvideos als Spielerei für Computer-Nerds belächelt. Jetzt versprechen Anbieter, die sich darauf spezialisiert haben, Begeisterungsstürme in der Personalabteilung.

Doch manche Personaler winken ab: Die Idee sei ja ganz lustig, aber bei der Menge an Bewerbungen bliebe gar keine Zeit, CD-Roms einzulegen oder InternetLinks anzuklicken, schon wegen der Virengefahr. Andererseits gibt es auch Verantwortliche, die den Nutzen der bewegten Bilder sehen, denn die Anschreiben und Lebensläufe der Bewerber wirken in ihrer ratgebertreuen Perfektion heutzutage oft standardisiert, die individuelle Komponente ist verlorengegangen - eine Chance fürs Bewerbungsvideo. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert. Wer sich Mühe gibt, kann damit nicht verlieren. Im schlimmsten Fall guckt es eben einfach keiner.

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