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Floskeln im Bewerbungsschreiben:"Eine Floskel jagt die nächste"

Beispiel 2: Mit dieser Passage wollte mein Kollege C. seine Asien-Kompetenz in einer Bewerbung um eine Hospitanz bei einer deutschen Stiftung in Vietnam unter Beweis stellen: "Bei Professor Sung-jo Park besuchte ich mit Erfolg das Seminar ,Einführung in die japanische und ostasiatische Wirtschaft'. Die Arbeit Ihrer Stiftung kennenzulernen, wäre eine sehr wertvolle Erfahrung."

Das sagt der Experte: "Naja, der Ansatz stimmt, mehr aber auch nicht. Die Veranstaltung von Herrn Park kann todlangweilig gewesen sein. Interessant wäre doch: Warum hat er das Seminar besucht, was fand er spannend? Und warum mit Erfolg? Bringt ihm das was für den Job bei der Stiftung? Warum will er in Vietnam arbeiten? C. sollte unbedingt ein bisschen so tun, als würde er sich ständig im Themenbereich Vietnam umtun. Er könnte vielleicht von einer Reportage über den Vietnamkrieg erzählen, die er neulich gesehen hat. Da kann sich wirklich jeder prima etwas anlesen."

Beispiel 3: Ein Anschreiben an eine Regionalzeitung, entstanden in einer Phase, in der die Autorin von Existenznöten geplagt ihre Bewerbungen breit streute, las sich so: "Ich würde mich sehr über die Chance freuen, über eine aufstrebende Region wie Frankfurt/Oder und ihr reizvolles Umfeld schreiben zu können."

Das sagt der Experte: "Sie hätte auch schreiben können: 'Ich will viel lieber in Berlin bleiben, aber bevor ich nirgends unterkomme, bewerbe ich mich auch bei eurem Laden.' Man spürt, dass die Leidenschaft fehlt. Es ist sicher schwer, einer Firma weiszumachen, sie sei der Hauptgewinn, wenn einen Existenznöte plagen. Gerade junge Bewerber können aber entspannen. Besonders in technischen Berufen reicht es den Personalern in der Regel, wenn man vernünftig aufführt, was man schon gemacht hat, was man bieten kann. Man muss nicht ausufernd erklären, warum man unbedingt in diesen Gas-Wasser-Installateursbetrieb will und in keinen anderen."

Beispiel 4: Mit folgenden Zeilen versuchte eine Bekannte vor einigen Jahren ihre vorzügliche Eignung zu belegen: "Sowohl bei meiner journalistischen Arbeit als auch bei meiner jetzigen Tätigkeit im PR-Bereich konnte ich mein breites Themenprofil sowie meine analytischen und organisatorischen Fähigkeiten, ergebnisorientiertes Arbeiten und Teamfähigkeit unter Beweis stellen."

Das sagt der Experte: "Eine fürchterliche Floskel jagt die nächste. An jeder Stelle fehlt ein Beleg, ein konkretes Beispiel. Im Anschreiben darf nicht der Lebenslauf heruntergebetet werden. Teamfähig sind wir ja alle gerne. Wer das schreibt, muss es belegen können. Das kann hier beispielsweise die Zusammenarbeit mit einem Kollegen an einem Text sein, bei fehlender Berufserfahrung der Verweis auf eine Arbeitsgruppe in der Schule. Hauptsache, es bleibt nicht nur als leere Worthülse stehen."

© SZ Uni&Job/bön

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