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Bewerbung als Führungskraft:"Entscheider schließen Frauen unbewusst aus"

Die eigene Kompetenz selbstbewusst darzustellen, liegt vielen Frauen nicht. Umso wichtiger ist, dass eine Stellenausschreibung realistische Anforderungen stellt, um Frauen nicht von vorneherein auszuschließen. Eine aktuelle Eye-Tracking-Studie der Jobbörse Jobware hat untersucht, wie Frauen Jobinserate lesen. Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen sich mit Anforderungsbeschreibungen intensiver beschäftigen: Frauen lasen sie im Durchschnitt 2,34 Sekunden, während Männer schon nach 1,17 Sekunden wegschauten.

Hinzu kommt, was bereits in zahlreichen früheren psychologischen Studien beobachtet wurde: Frauen sind anfälliger für das sogenannte Hochstapler-Syndrom. Betroffene glauben nicht daran, dass sie ihren Erfolg wirklich durch eigene Leistung verdient haben. Obwohl sich sicher nicht alle Bewerberinnen für Hochstaplerinnen halten, beobachteten auch die Forscherinnen der TUM "selbst-limitierendes Verhalten besonders häufig bei Frauen".

Diese Forschungsergebnisse auf die Praxis zu übertragen, ist ein zentraler Anspruch des Münchner Forschungsprojekts, das vom Bundesbildungsministerium gefördert wird. Die Wissenschaftlerinnen wollen in den kommenden Monaten auf der Basis mehrerer Studien Handlungsempfehlungen für Unternehmen erarbeiten. "Entscheider sollen den ganzen Talente-Pool zur Verfügung haben und nicht - meist unbewusst - Frauen von vorneherein ausschließen", sagt Susanne Braun.

Die Wortwahl ist entscheidend

Die Verknüpfung "Führungsposition - offensiv - männlich" werde durch traditionelle Vorstellungen von Geschlechterrollen erzeugt, die aus der patriachalen Gesellschaft stammen. Unternehmen, die diesen Mechanismen entgehen wollen, empfehlen die Wissenschaftlerinnen ein strukturiertes Auswahlverfahren mit anonymer Bewerbung und standardisierten Fragen im Bewerbungsgespräch.

Die Ausschreibung müsse genau das Anforderungsprofil der Stelle wiedergeben. Auch die Wortwahl entscheidet, ob Frauen sich für die Stelle interessieren: Den Studien zufolge spricht die Formulierung "Projektleiter/in" eher auch Frauen an als "Projektleiter (m/w)". Außerdem haben die Wissenschaftlerinnen herausgefunden, dass das Wort "Führungsfähigkeit" als männlich wahrgenommen werde, während "Mitarbeiterverantwortung" neutral wirkt.

Bewerberinnen können auch selbst daran arbeiten, dem Kreislauf zu entkommen: "Frauen müssen lernen, dass ein Unternehmen nicht immer so ist, wie es in einer Stellenausschreibung rüberkommt. Da hilft nur, sich zu bewerben und vor Ort einen Eindruck zu gewinnen", empfiehlt Braun.

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