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Bewerber:"Flexibilität ist für manche ein Fremdwort"

Holger Raithel, Chef des Porzellanherstellers Kahla, über die schwierige Suche nach Personal.

Elisabeth Dostert

Holger Raithel, 35, ist seit April 2005 geschäftsführender Gesellschafter des Porzellanherstellers Kahla. Sein Vater, Günther, hat das aus dem VEB Feinkeramik ausgegliederte und insolvente Werk Kahla 1994 übernommen und die Kahla/Thüringen Porzellan GmbH gegründet. Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen mit 300 Mitarbeitern rund 25 Millionen Euro um.

SZ: Herr Raithel, suchen Sie gerade Mitarbeiter?

Holger Raithel: Wir suchen immer Mitarbeiter, zum Beispiel um unseren Export zu stärken. Im Moment laufen vier konkrete Suchanfragen.

SZ: Suchen sie eher Hochschulabsolventen oder gewerbliche Mitarbeiter?

Raithel: Sowohl als auch. Zur Besetzung von Schlüsselpositionen ist die Enge Verbindung mit den Jenaer Hochschulen wichtig, aber wir suchen auch europaweit nach qualifizierten Mitarbeitern. Wir bilden auch selbst kaufmännische und gewerbliche Mitarbeiter aus. Seit Jahren haben wir konstant mehr als 20 Auszubildende, die wir größtenteils übernehmen.

SZ: Ist es schwierig, Mitarbeiter zu finden?

Raithel: Es ist schon schwierig, Leute davon zu überzeugen, in das wunderschöne Thüringen zu kommen.

SZ: Was ist so schön an Thüringen?

Raithel: Wir sind in der Mitte Deutschlands. Als Bayer fühle ich mich hier pudelwohl. Die Landschaft ist reizvoll, die Infrastruktur ist gut, Bildung und Kultur werden hier großgeschrieben. Jena und Weimar sind weniger als eine halbe Autostunde von Kahla entfernt. Jena ist die Stadt der Wissenschaft 2008. Das sind alles Faktoren, die uns helfen.

SZ: So richtig aber wohl doch nicht. Sonst wäre die Suche doch leichter.

Raithel: Es gibt eben immer noch Ressentiments gegen die neuen Bundesländer. In den Köpfen stecken noch die alten Klischees: hohe Arbeitslosigkeit, soziale Schwäche. Natürlich gibt es in gewissen Regionen eine hohe Arbeitslosigkeit. Aber in Jena liegt sie bei rund neun Prozent und damit im Bundesdurchschnitt.

SZ: Was bekommen Sie denn von den Bewerbern bei der Absage zu hören?

Raithel: Unsere Familie will das gewohnte Umfeld nicht verlassen. Auch in Zeiten der Globalisierung ist Flexibilität für manchen noch ein Fremdwort.

SZ: Vielleicht liegt es an der Branche? Die Porzellanindustrie in Deutschland gilt nicht gerade als Zukunftsbranche.

Raithel: Das ist so, gilt aber nicht für Kahla. Wir heben uns ganz klar ab. Wir setzen auf Design und Innovationen und sind auf Wachstumskurs. Es gibt viele Gründe für Kahla zu arbeiten.

SZ: Stellen Sie sich vor, Sie sind der Bewerber um einen Mitarbeiter und ha-ben drei Sätze, um Ihre Vorzüge zu präsentieren.

Raithel: Das reicht nicht.

SZ: Versuchen Sie es bitte.

Raithel: Wir sind ein familiengeführtes Unternehmen und verfolgen eine langfristige Strategie, wir müssen nicht auf Quartalsberichte schielen und stehen nicht unter dem Druck der Gewinnmaximierung wie Finanzinvestoren. Unsere Mitarbeiter haben große persönliche Freiheiten, die Entscheidungswege sind kurz und die Flexibilität ist groß. Unsere Fluktuation ist praktisch null.

SZ: Vielleicht hängt das Wohl und Wehe der Mitarbeiter nicht von Quartalsberichten ab, dafür aber in familiengeführten, mittelständischen Unternehmen nicht selten von einem Patriarchen, der alleine bestimmt, wo es langgeht.

Raithel: Das ist ein Klischee. Wir müssen uns wie jedes andere Unternehmen den Märkten stellen und die sind in der Porzellanindustrie seit langem global. Viele unserer Konkurrenten produzieren mittlerweile in Fernost. Wir messen uns nicht allein an den Wettbewerbern im Inland, sondern weltweit. Wichtige Entscheidungen trifft die gesamte Geschäftsleitung, der sechs Führungskräfte angehören. Es gibt hier nur ganz wenige Entscheidungen per Order di Mufti.

SZ: Zahlen Sie auch ordentlich?

Raithel: Wir zahlen ordentlich. Aber natürlich ist es schwer, uns mit den Großen dieser Welt zu messen, BMW, Siemens und andere. Aber wir sind durchaus bereit, für hochqualifizierte Mitarbeiter Geld auszugeben.

SZ: Nennen Sie mal eine Summe?

Raithel: Über Gehaltssummen reden wir nicht öffentlich.

© SZ vom 7.2.2008/bön
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