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Betriebsrente:Vorteile, Nachteile und was Verbraucherschützer raten

Was können weitere Vorteile sein?

Im Idealfall sind die Kosten deutlich geringer als bei der Riester-Rente, weil der Arbeitgeber einen Mengenrabatt vom Anbieter bekommt. "Abschlusskosten sollen entfallen - oder wenigstens gering sein", heißt es bei der Stiftung Warentest. Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, warnt aber: "Wenn die Kosten ein bis drei Prozentpunkte der Rendite aufzehren, bleibt bei der heutigen Niedrigzinsphase auf lange Sicht für den Sparer nicht viel übrig."

Welche Nachteile gibt es?

Wer Teilbeiträge seines Gehalts in den Aufbau einer Betriebsrente steckt, spart in der Einzahlungsphase unter anderem die Beiträge in die Rentenversicherung. Entsprechend niedriger fällt dadurch aber die gesetzliche Rente aus, zumal auch die jeweiligen Beiträge des Arbeitgebers weggefallen sind. Hinzu kommt: Wird die Betriebsrente im Rentenalter ausgezahlt, müssen gesetzlich Krankenversicherte darauf die vollen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Von 300 Euro Betriebsrente im Monat gehen also schon mal knapp 18 Prozent oder gut 50 Euro weg. Auch greift das Finanzamt bei Betriebsrenten seit 2005 stärker zu. Von 2040 an sind sie voll zu versteuern. Außerdem ist der Arbeitnehmer festgelegt: "Das Geld steht dann nicht für einen Immobilienkauf zur Verfügung", sagt Nauhauser.

Was raten Verbraucherschützer?

Ob sich die BAV unterm Strich lohnt, hängt deshalb stark davon ab, was der Arbeitgeber beisteuert. Nauhausers Faustregel lautet: "Ist sein Zuschuss deutlich höher als seine Ersparnis bei den Sozialabgaben in Höhe von rund 20 Prozent, lohnt sich das meist für den Arbeitnehmer." Gibt er weniger weiter oder steuert gar nichts dazu bei, rät der Finanzexperte meist von dieser Form der Vorsorge ab. Die Stiftung Warentest gibt den Zusatztipp: "Die garantierte Rente soll höher sein als bei einem privaten Angebot mit gleichem Betrag und gleicher Laufzeit."

Lassen sich Betriebsrenten vom alten zum neuen Arbeitgeber übertragen?

Das kann schwierig werden. Der neue Arbeitgeber muss bestimmte Verträge nicht fortführen. Wird Arbeitnehmern ein neuer Vertrag untergejubelt, entstehen womöglich neue Abschlusskosten, was wiederum an der Rendite zehrt.

Was soll sich ändern?

Arbeitsministerin Andrea Nahles will die BAV vor allem in kleinen und mittleren Betrieben mit überbetrieblichen Pensionskassen attraktiver machen. Die SPD-Politikerin wünscht sich auch, dass die betriebliche Altersvorsorge stärker in Tarifverträgen verankert wird. Die finanziellen Nachteile in der Auszahlungsphase werden aber sicherlich unangetastet bleiben - die Krankenkassen wollen und können auf die Milliardeneinnahmen nicht verzichten.

Worüber wird noch diskutiert?

In anderen Ländern hat sich das Modell des sanften Zwangs bewährt: Jeder Arbeitnehmer wird automatisch zusätzlich über den Arbeitgeber abgesichert, es sei denn, sie oder er entscheidet sich ausdrücklich dagegen. In den USA klappt dies gut. Nur zehn Prozent der Beschäftigten verzichten dann auf die zusätzliche Altersvorsorge. Solche Modelle sind allerdings umstritten: DGB-Chef Reiner Hoffmann sagt: "Bei der Betriebsrente brauchen wir eine Verpflichtung." Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer will keine "staatlichen Zwangslösungen".

© SZ vom 27.03.2015/mkoh
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