Berufstätige Frauen in Japan Eine kinderlose Frau? Gilt als Verliererin

Wer als Frau keine Kinder bekommen hat, wird als "makeinu" bezeichnet, ein im Kampf geschlagener Hund, ein Verlierer. Doch wer sich für Kinder entscheidet, muss dafür seine beruflichen Träume aufgeben. Gekündigt wird heute nicht mehr gleich nach der Hochzeit, wie es lange üblich war, sondern wenn das erste Kind kommt. "Erst mit Mitte vierzig kehren die Frauen zurück in den Beruf, allerdings in Teilzeit - was Beförderungen und ein höheres Einkommen so gut wie ausschließt ", so Sechiyama. Einmal Elternzeit und der alte Job ist weg.

"Frauen haben hier definitiv nicht die gleichen Chancen wie Männer": Kaku Sechiyama, Professor für Gender Studies an der Universität Tokio

(Foto: Marisa Shimamoto)

Wie dringend das Land allerdings Frauen benötigt, gesteht mittlerweile auch der japanische Premierminister Shinzo Abe ein und sagt: "Frauen sind die am wenigsten genutzte Ressource der Nation." Das Land am Rande der Deflation könnte sein Bruttoinlandsprodukt durch eine stärkere Förderung von Frauen langfristig um etwa 13 Prozent erhöhen, errechnete Goldman Sachs im Mai 2014. Hinzu kommt, dass Japan mit seinen 127 Millionen Einwohnern in nur 30 Jahren 26 Millionen Menschen weniger haben wird. Kein Land der Welt altert und schrumpft so schnell.

Das Frauenproblem ist ein Symptom einer Wirtschaft, die es lange verschlafen hat, sich zu modernisieren. Dem Fortschritt und der Effizienz der Boom-Jahre steht heute ein Land mit einer überalterten Bevölkerung und einer geringen Geburtenrate gegenüber, eine reine Leistungsgesellschaft mit unmenschlichen Zügen, kaum Zuwanderung, fehlenden Fach- und Pflegekräften und großer Konkurrenz aus anderen asiatischen Ländern. Frauen, die in diesem Klima nicht gleich ganz auf eine Familie verzichten wollen, bleiben dem Arbeitsmarkt entweder fern oder versuchen irgendwie, Familie und Beruf zu vereinbaren - und kommen dabei unweigerlich an ihre Grenzen.

Bei den Arbeitszeiten in Japan gilt: je länger, desto besser

"Wenn man an der Situation der Frauen etwas ändern möchte, muss man vor allem die Arbeitszeiten ändern", sagt Genderforscher Kaku Sechiyama. In Japan gilt: je länger, desto besser. Zwar gibt es offiziell eine 40-Stunden-Woche, aber so lange noch Vorgesetzte im Büro sind, gehen auch die Angestellten nicht. Nach den Überstunden werden bei Sake und Karaoke die Jobs untereinander verteilt und Pläne geschmiedet, "nominication" nennt sich das dann, eine Wortschöpfung aus "nomu" (Trinken) und "communication".

Überstunden

2014 kam ein Vollzeitangestellter im Schnitt auf 173 Überstunden, sieben Stunden mehr als 2013. Manche Unternehmen versuchen den Wandel: Das Handelshaus Itochu verlangt etwa von seinen Mitarbeitern, um 20 Uhr nach Hause zu gehen.

Da bleibt kaum Zeit für ein Leben neben dem Beruf. "In Familien, in denen beide Partner Vollzeit arbeiten, beteiligt sich der Mann durchschnittlich eine Stunde am Tag an der Hausarbeit. Die Frau hingegen ist etwa 4,3 Stunden lang beschäftigt", sagt Kaku Sechiyama. "Würden sich beide die Arbeit gerecht teilen, könnten Frauen auch Vollzeit arbeiten." Der Forscher und Vater von zwei Kindern lebt das, was er predigt: Er war in seiner Familie für das Bringen und Holen aus dem Kindergarten zuständig, bis heute ist er der Abendessen-Beauftragte.