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Berufsgruppen:Angesehene Berufe werden unbeliebter

Feuerwehrleute haben höchstes Vertrauen

Das Ansehen von Feuerwehrleuten ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken.

(Foto: ag.dpa)

Das Berufs-Image von Feuerwehrleuten, Krankenpflegern und Professoren sinkt. Schuld daran sind offenbar AfD-Anhänger.

Feuerwehrleute, Ärzte und Krankenpfleger sind nach wie vor diejenigen Berufsgruppen, die in Deutschland das höchste Ansehen haben. Allerdings ist das Image vieler Berufsgruppen im vergangenen Jahr etwas gesunken. Das ist das Ergebnis der Bürgerbefragung zum öffentlichen Dienst, die die Meinungsforscher von Forsa im Auftrag des Beamtenbundes vorgenommen haben. Forsa und sein Auftraggeber zogen jedoch unterschiedliche Schlüsse daraus.

Gefragt wurde nach dem Ansehen von insgesamt 32 Berufsgruppen; auffällig war diesmal, dass nur Piloten, Soldaten und Lokführer ihr Image leicht verbessern konnten, während alle anderen auf etwas schlechtere Werte kamen. Journalisten, Beamte und Politiker landeten erneut im hinteren Drittel. Die letzten Plätze nehmen weiter die Mitarbeiter von Telefonfirmen, von Werbeagenturen und von Versicherungen ein.

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Über den Grund, warum auch hoch angesehene Berufsgruppen diesmal etwas schlechter wegkommen als früher, liefert die Umfrage immerhin Anhaltspunkte: Es scheinen die Anhänger der AfD zu sein, die sehr viele Berufsgruppen inzwischen besonders skeptisch sehen und damit die Prozentwerte nach unten ziehen.

AfD-Anhänger bewerten die meisten Berufsgruppen unterdurchschnittlich

Bei 87 Prozent der Bürger insgesamt stehen Kranken- und Altenpfleger in hohem Ansehen - aber nur bei 84 Prozent der AfD-Anhänger. 70 Prozent schätzen Professoren sehr - aber nur 59 Prozent der AfD-Anhänger. Bei anderen Berufsgruppen sind die Unterschiede noch größer. Während Journalisten von 44 Prozent aller Bürger hoch angesehen werden, trifft dies nur für 15 Prozent der AfD-Anhänger zu. Bei Politikern betragen die entsprechenden Werte 24 und 11 Prozent. Bei Beamten ist der Unterschied nicht ganz so groß, allerdings bewegen sich deren Werte auf insgesamt niedrigem Niveau: 34 Prozent aller Bürger attestieren ihnen ein hohes Ansehen, und 27 Prozent der AfD-Anhänger.

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SZ-Grafik

Klaus Dauderstädt, der Vorsitzende des Beamtenbundes, griff bei seiner Bewertung am Dienstag in Berlin auf das Ergebnis zurück, das im Jahr 2007 für die Beamten herausgekommen war. Damals ließ seine Organisation zum ersten Mal die Bürgerbefragung vornehmen, und damals stand seine Klientel insgesamt nur bei 27 Prozent der Bürger in hohem Ansehen. Dass der Wert nun um sieben Prozentpunkte höher liegt, bedeutet für Dauderstädt "eine nachhaltige Verbesserung". Positive Attribute (verantwortungsbewusst, zuverlässig) würden den Beamten nun öfter zugeschrieben, negative (arrogant, ungerecht) nun seltener. "Das ist ein sehr ermutigendes Zeichen", sagte Dauderstädt.

Medien und Politiker seien Schuld am schlechten Image

Warum jedoch die AfD-Anhänger viele Berufsgruppen schlechter bewerten, als die Anhänger anderer Parteien dies tun, dazu äußerte der Vorsitzende sich nicht. In der schriftlichen Auswertung der Umfrage, die der Beamtenbund verteilte, werden hingegen Medien und Politiker dafür verantwortlich gemacht. Diese hätten sich zuletzt mehr "mit Randgruppen wie Pegida oder der AfD als mit den Befindlichkeiten der Mehrheit der Bürger befasst". Die "gehätschelten Randgruppen aber seien "notorische Nörgler". Beim Beamtenbund wurde darauf hingewiesen, bei diesen Äußerungen handele es sich um eine "Analyse" von Forsa und nicht des Beamtenbundes; auch wenn dies in der schriftlich verteilten Präsentation nicht ersichtlich werde.

Zu den weiteren Ergebnissen der Umfrage gehört, dass mehr Bürger als früher sich für mehr Staat aussprechen. In einer globalisierten Gesellschaft sei dies erforderlich - das fanden nun 72 Prozent der 2003 Befragten. Vor neun Jahren vertraten lediglich 66 Prozent diese Auffassung.

© SZ vom 24.08.2016/nadl

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