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Berufschancen jenseits der Uni:Spezielle Beratungsstellen für Studienabbrecher

Jonas Greifenberg hatte sich Hilfe gesucht bei Looping, einer Beratungsstelle für Studienabbrecher in Berlin, und gleichzeitig als Aushilfskassierer bei Kaufland angefangen. Bei Looping handelt es sich um ein Projekt, das im Jahr 2011 startete und Ende 2015 auslief. Finanziert wurde es von der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen. Mit Hilfe einer der Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle lotete Greifenberg seine Interessen und Talente aus. Er entschied sich schließlich für eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann bei Kaufland. In der Filiale, in der er arbeitete, erhielt er rasch einen Ausbildungsvertrag.

Leute wie er und Weidlich sind derzeit gesucht. "Im Raum Berlin stehen die Chancen für Studienaussteiger in einigen Branchen, wie der Metall- und Elektroindustrie oder im Einzelhandel, sehr gut", sagt Laura Ritter, die bei Looping als Beraterin tätig war und nun ihre Tätigkeit im Rahmen der Jobassistenz Berlin fortsetzt (www.ziz-berlin.de).

Wer viel Energie ins Studium gesteckt hat, fühlt sich eher gescheitert

Wenn man ohne lange Durststrecke eine Ausbildung beginnen kann, besteht nicht die Gefahr, sich als Versager zu fühlen. Ob dies geschehe, hänge vom einzelnen Fall ab, sagt Laura Ritter: "Es gibt einige, für die das kein so großes Thema ist. Sie haben ein paar Semester ausprobiert und festgestellt, dass es nicht das Richtige für sie ist. Leute, die sich dagegen schon in mehreren Studiengängen versucht haben, sind irgendwann sehr verunsichert und trauen sich gar nicht mehr, eine Entscheidung zu treffen."

Das Gefühl, gescheitert zu sein, habe sie vor allem bei denjenigen ausgemacht, die sehr viel Energie ins Studium investiert hätten. "Bei Menschen, die bereits Anfang 30 sind und noch keinerlei Abschluss haben, ist der Druck besonders groß." Sie seien meist sehr niedergeschlagen und müssten erst aufgebaut werden.

Ermutigende Nachrichten für Studienabbrecher, die eine Ausbildung anstreben, hat auch Stefanie Langen von der Agentur für Arbeit München parat: "Der Arbeitsmarkt ist bestens." Vom Handwerksbetrieb bis zur Bank - Unternehmen fänden nicht genügend Lehrlinge und seien sehr interessiert an Bewerbern mit Abitur, die bereits Hochschulerfahrung gesammelt haben. Ihr Plus sei auch, dass sie schon lebenserfahrener seien als Abiturienten. Langen: "Sie bleiben den Firmen eher erhalten, weil sie bereits wissen, dass ein Studium nicht das Richtige für sie ist."

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© SZ vom 21.01.2016/sks

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