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Berufsbild:Medizinisch-technische Assistenten müssen analytisch denken können

Im Labor untersuchen sie Blutproben und Aids-Tests. Die Berufsaussichten sind bestens.

Auf ihre Arbeit kann kein Krankenhausarzt verzichten - und derzeit haben sie auch noch hervorragende Berufsaussichten: Medizinisch-technische Assistenten, kurz MTA genannt, sind unerlässlich bei der Analyse von Aids-Tests und Krebsabstrichen, Harnuntersuchungen und der Diagnose von möglichen Tropenerkrankungen.

Medizinisch-technische Assistenten bei der Arbeit im Labor.

"Ärzte haben das Fachwissen, aber zumeist wenig Ahnung von Labortechnik", sagt Claudia Carow-Barthelmes von der MTA-Schule in Mainz. Im Labor werden etwa Blutbefunde aufbereitet und erstellt, Bakterien und Viren identifiziert sowie mögliche Erkrankungen diagnostiziert.

Teamarbeit gefragt

Gute Zusammenarbeit mit den Ärzten ist dabei für MTA besonders wichtig: "Einzelkämpfer sind in dem Beruf fehl am Platz", sagt Carow-Barthelmes.

Seit 1993 wird der Beruf des MTA in die Fachbereiche Laboratoriumsmedizin, Radiologie, Funktionsdiagnostik und Veterinärmedizin unterteilt. Während Medizinisch-technische Laboratoriumsassistenten (MTAL) etwa Blutzellen und eventuelle Veränderungen, die Blutkrebs oder Blutarmut bedeuten können, analysieren, erstellen die MTA der Radiologie (MTAR) Röntgenbilder und unterstützen den Radiologen bei der Auswertung der Bilder.

In der Funktionsdiagnostik geht es mit Hilfe komplizierter elektronischer Messverfahren um das Erkennen von Störungen des Nervensystems, der Sinnesorgane, des Herz-Kreislauf-Systems und der Lunge. Die kleinste Gruppe, die Veterinärmedizinisch-technischen Assistenten (MTAV), beschäftigt sich unter anderem auch mit der Untersuchung von Lebensmitteln tierischer Herkunft.

"Ein MTA muss vor allem naturwissenschaftliches Interesse mitbringen und technisch begabt sein", sagt Carow-Barthelmes. Zudem sollte eine "gewisse Feinmotorik" vorhanden sein. Schließlich müsse unter anderem Gewebe entnommen und hauchdünn geschnitten werden. Wer bereits mit der feinen Arbeit am Mikroskop seine Schwierigkeiten hat, wird hier garantiert auf größere Probleme stoßen. "Das Mikroskop ist bei uns eines der gröberen Geräte", erklärt sie.

Wichtig: Analytisches Denken

Gute MTA arbeiten laut Carow-Barthelmes fachübergreifend, besitzen Organisationstalent und zeichnen sich durch Flexibilität aus. "Es reicht nicht, wenn ein MTA einzig Blutkörperchen analysieren kann." Für Maria Melitta Schmidt von der MTA-Schule in Trier, zeigt ein kompetenter MTA vor allem "analytisches Denken".

Als Voraussetzung für die sechssemestrige Ausbildung gilt der Realschulabschluss. "Abiturienten werden bei uns nicht unbedingt bevorzugt", sagt Carow-Barthelmes. So sei in Mainz die Erfahrung gemacht worden, dass sich viele Schüler nur einschrieben, um die Wartezeit für ihren Medizin-Studienplatz auszusitzen.

Arbeit in Laboratorien und Ämtern

Die Ausbildung setzt sich aus einem praktischen und einem theoretischen Teil zusammen, zu dem unter anderem Hämatologie, die Lehre vom Blut und den Blutkrankheiten, Histologie, die Gewebelehre sowie Mikrobiologie, Mathematik, EDV und Klinische Chemie zählen.

Arbeit finden MTA meist in Laboratorien von Krankenhäusern und Untersuchungsämtern, bei niedergelassenen Ärzten, im Lehr- oder Forschungsbereich oder in Laboratorien der Pharmaindustrie. Die meisten MTA sind im öffentlichen Dienst beschäftigt, die Bezahlung richtet sich nach dem Bundesangestellten-Tarifvertrag VI (BAT). Das Einstiegsgehalt beträgt monatlich rund 1000 Euro netto, in der Pharmaindustrie kann zumindest mit rund 500 Euro mehr gerechnet werden.

Angst vor drohender Arbeitslosigkeit müssen MTA kaum haben. "Die Jobperspektiven sind exzellent", sagt Schmidt von der MTA-Schule in Trier. Die meisten können sogar zwischen mehreren Arbeitgebern wählen. Von "sehr guten Berufsperspektiven" spricht auch Monika Simon vom Deutschen Verband Technischer Assistentinnen und Assistenten in der Medizin (dvta). "In den Ausbildungsstätten wird beinahe täglich angerufen und nach MTA gefragt", hört sie von den Schulen.

Gerade im Bereich Radiologie werde dringend nach Personal gesucht, Assistenten der Laboratoriumsmedizin haben ebenso gute Perspektiven. "Auch wenn dort viele MTA-Arbeitsplätze durch Hilfspersonal abgedeckt werden", sagt Monika Simon.

Weniger Bewerbungen

Dennoch geht die Zahl der Bewerbungen für die bundesweit 96 Schulen zurück. Zwar sind die MTA-Schulen meist kostenlos, doch gibt es auch kein Ausbildungsgeld. "Niemand will heute mehr eine Ausbildung machen, bei der er nichts verdient", sagt Simon.

(sueddeutsche.de/dpa)

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