Berufsbild Kurzer Ruhm

Moderatoren von Fernsehsendungen werden bewundert und verehrt. Doch der Weg vor die Kamera ist nicht planbar. Und die Karriere währt manchmal nur wenige Jahre.

Von Kristin Kruthaup/dpa

Hallo Berlin und schönen guten Abend!" Mit diesen Worten begrüßt Sascha Hingst an diesem Tag um 19.30 Uhr seine Zuschauer. In Hunderttausenden Berliner und Brandenburger Wohnzimmern hat er nun das Wort. Hingst moderiert im Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) die Abendschau, eine halbstündige, regionale Nachrichtensendung. "Ausgebrannt, ausgestattet, ausgepowert" - so lauten heute seine Themen. Es geht um einen ausgebrannten Regionalzug, um die Fashion Week und um mehr Geld für die Berliner Verkehrsbetriebe.

Sascha Hingst macht einen Job, von dem viele träumen. Im Fernsehen eine Sendung zu moderieren, gilt als glamourös. Moderatoren wie Judith Rakers, Kai Pflaume oder Günther Jauch werden verehrt. Doch eine Karriere vor der Kamera lässt sich nur schwer planen, es gibt nur wenige Jobs, und bis zur Rente auf Sendung zu sein, gelingt wenigen.

Zwei Stunden, bevor die Abendschau beginnt, steht Sascha Hingst ganz entspannt im Studio der Abendschau. Der Raum ist etwa zehn mal zehn Meter groß, von der sehr niedrigen Decke hängen drei Dutzend Scheinwerfer herab. Ein großer, weißer Tresen mit dem RBB-Logo ist von mehreren Kameras umringt. In der Regel spricht Hingst in die riesige, schwarze Kamera, die dem Tresen direkt gegenüber steht. "Das Schwierige ist, jeden Tag aufs Neue die Konzentration aufrechtzuerhalten", sagt der 44-Jährige.

Zum "Anchorman" wird ein Moderator erst durch eine Persönlichkeit mit hohem Wiedererkennungswert, so wie Sascha Hingst von der RBB-Abendschau.

(Foto: Franziska Gabbert/dpa)

Hingst moderiert seit 2007 die Abendschau. Für seine Arbeit wurde er 2015 mit dem Bremer Fernsehpreis als bester Moderator ausgezeichnet. Um in dem Beruf Erfolg zu haben, sei das Wichtigste, authentisch zu sein. "Wenn man das, was man moderiert, blöd findet, merkt der Zuschauer das", sagt er.

Wer wie Hingst Moderator werden will, muss nicht den einen, vorgezeichneten Ausbildungsweg gehen. Sinnvoll ist eine journalistische Ausbildung, sagt Ilona Mirtschin von der Bundesagentur für Arbeit. Das kann ein Volontariat sein oder eine Ausbildung an einer Journalistenschule. Hingst hat jedoch Jura studiert. Dann braucht es für den Job ein gutes Allgemeinwissen. Hinzu kommt die Fähigkeit, sich schnell in neue Themen einzuarbeiten und mit den unterschiedlichsten Menschen umgehen zu können. Wichtig ist außerdem, dass man beim Zuschauer einen Wiedererkennungseffekt erzielt.

"Ein guter Moderator ist kein Teflon-Moderator", sagt Ernst-Marcus Thomas, Ratgeberautor zum Thema und Moderationscoach etwa für die ARD-ZDF-Medienakademie. Ein Teflon-Moderator sei jemand, der beim Zuschauer nicht haften bleibe. Wer Moderator werden wolle, müsse eine Persönlichkeit mit eigenem Stil sein. Gute Beispiele seien etwa Joko und Klaas oder Günther Jauch.

Thomas hat selbst lange Jahre im Fernsehen moderiert. Er war beim Südwestrundfunk Moderator von "Philipps Tierstunde" und beim Hessischen Rundfunk Präsentator des Reisemagazins "Nix wie raus". 2008 übernahm er dann den ZDF-Fernsehgarten. Doch irgendwann blieben neue Engagements aus. Heute sagt der 42-Jährige selbstkritisch, dass er selbst vielleicht zu sehr ein Teflon-Moderator war. Nachdem es als Fernsehmoderator nicht weiterging, musste er sich einen Plan B für seine Karriere ausdenken. "Wenn man nicht vorbereitet ist, kann man in ein tiefes Loch fallen", sagt er. Inzwischen hat er eine Radioshow beim WDR - und arbeitet nebenbei als Coach.

Verdienst

Was ein Moderator verdient, hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem davon, ob er für ein regional oder bundesweit ausgestrahltes Programm arbeitet, für ein journalistisches Programm oder eine Unterhaltungsshow. Moderationscoach Ernst-Marcus Thomas geht bei einer täglichen Magazinsendung von einer Gage von 500 bis 800 Euro pro Tag aus, bei bundesweiten Sendungen können es auch einmal mehr als 800 Euro sein. Häufig ist es jedoch so, dass Moderatoren pro Monat nur eine Woche im Einsatz sind, erklärt Thomas, so relativieren sich die Gagen. Außerdem arbeiten viele freiberuflich und müssen sich zum Beispiel um Rentenversicherung und Krankenkasse selbst kümmern.

Er rät jedem, mit realistischen Vorstellungen an den Beruf heranzugehen. "Wollen Jugendliche das unbedingt machen und haben diesen inneren Drang, dann sollten sie das tun." Wer sich aber vorstellen kann, auch in anderen Berufen glücklich zu werden, sattele lieber um. Wer zum Beispiel ein hohes Sicherheitsbedürfnis habe, sei in dem Beruf grundsätzlich verkehrt. Denn viele Moderatoren arbeiteten als Selbständige oder haben befristete Verträge. Außerdem gebe es die Gefahr, irgendwann einfach nicht mehr gefragt zu sein. Viele werden auch ausgetauscht, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben oder die Quote nicht mehr stimmt.

Auch Sascha Hingst glaubt, dass man als Moderator ein Ablaufdatum hat und irgendwann vielleicht andere Sachen machen muss. Er hat vor seiner Karriere als Moderator jahrelang hinter der Kamera gearbeitet. Geht es im Fernsehstudio nicht mehr weiter, könnte er in die Redaktion zurückkehren oder in die freie Wirtschaft gehen. Bislang denkt er aber nicht ans Aufhören. Warum auch? Die Brandenburger und Berliner wollen ihn schließlich gerne in ihrem Wohnzimmer sehen.

Kristin Kruthaup/dpa