Berufsausbildung Von der Zahnarzthelferin zur Köchin

Carola Staats, 39 Jahre

"Meinen Schwiegereltern gehörte ein Restaurant in Oederquart nordwestlich von Hamburg. Da bin ich manchmal eingesprungen: Abwasch, Gemüse schnippeln und so weiter. Ich habe eigentlich Zahnarzthelferin gelernt, und der Beruf hat mir auch großen Spaß gemacht. 13 Jahre habe ich in derselben Praxis gearbeitet, in der ich ausgebildet wurde, und habe in dieser Zeit zwei Kinder bekommen.

"Ich war Küchenchefin, aber keine Köchin"

Ich wäre wohl auch nie auf die Idee gekommen, noch etwas Anderes zu lernen, wenn ich keinen Mann aus der Gastronomie geheiratet hätte. Es wurde immer schwerer, alles zu vereinen: die Kinder irgendwo unterbringen, mein Job als Zahnarzthelferin und zugleich im Betrieb mithelfen. Als mein Mann das Restaurant vor zehn Jahren übernahm, habe ich den Beruf in der Praxis endgültig aufgegeben und nur noch in der Küche gearbeitet. Meine Aufgaben sind dort immer mehr geworden - irgendwann habe ich alles gemacht und war Küchenchefin.

Die medizinische Fachangestellte Carola Straats arbeitete schon lange in der Gastronomie, als sie beschloss, eine Lehre zur Köchin zu machen.

(Foto: privat)

"Der erste Tag in der Berufsschule war der Horror"

Es hat mich aber gestört, dass ich den Beruf Koch nie wirklich gelernt habe. Das war auch ein bisschen ein Kampf: die Chefin, die eigentlich gar keine Köchin ist. Vor zwei Jahren hat mein Mann einfach mal bei der Industrie- und Handelskammer angerufen - und dann hat es sich so ergeben, dass ich als Azubi in seinem Restaurant arbeiten konnte. Der erste Tag in der Berufsschule war der Horror: Da sitzt man da mit 37 Jahren, drumherum Kinder, die ohne weiteres die eigenen sein könnten.

"Mama, nimm den anderen Eingang"

Mein Sohn ist jetzt 16 Jahre alt und hat vor einigen Monaten auch eine Kochausbildung begonnen. Das letzte halbe Jahr sind wir auf die gleiche Berufsschule gegangen und hatten die gleichen Lehrer. Ich durfte ihn auch im Auto mitnehmen, aber er sagte dann: "Mama, nimm bitte den Eingang auf der anderen Seite der Schule." Aber insgesamt war es schon okay für ihn.

Vor vier Wochen habe ich meine Ausbildung beendet und habe es nicht bereut, sie gemacht zu haben. Manchmal hatte ich ein schlechtes Gewissen gegenüber den Kindern, weil ich so wenig Zeit für sie hatte. Aber wenn der Ältere von ihnen jetzt das Gleiche lernt, kann ich so viel nicht falsch gemacht haben. Da wir selbständig sind, war ich auch nicht auf ein Azubi-Gehalt angewiesen - sonst wäre es finanziell problematisch geworden."