Berufsalltag Zimmermädchen:Extra-Geld für Erbrochenes

Zimmermädchen müssen im Ritz-Carlton jeden Tag 13 Punkte zusammenputzen. Für ein kleines Zimmer gibt es einen Punkt, für eine Suite drei Punkte. Wenn Erbrochenes weggewischt werden muss, bekommt man mehr Geld. Josie Schreiber hat während ihrer Ausbildung selbst Betten bezogen und Wannen poliert. "Das ist ein harter Job, ich ziehe den Hut vor meinen Zimmerfrauen."

Raus aus den Luxushotels

Noch ein paar Monate, dann wird Josie Schreiber die Welt der Luxushotels verlassen, sich den Rucksack umschnallen und nach Australien fliegen. "Mein Herz sagt mir, ich muss noch mehr machen." Sie wolle "etwas für die Menschheit tun, auch wenn das jetzt großspurig klingt". Vor ein paar Wochen hat sie einen Bericht gesehen über die Verschmutzung der Weltmeere durch Plastikmüll. "Ich kann mir auch vorstellen, für Greenpeace auf einem Boot unterwegs zu sein und mit eigenen Händen den Plastikmüll aus dem Meer herauszufischen."

Ein Zimmer, sagt Ana Feory nach drei Jahren in 17 verschiedenen Luxushotels, "verrät sehr viel über den Gast". Geschäftsmänner sind ihr die liebsten gewesen: "Die duschen morgens, sind den ganzen Tag unterwegs und abends in der Hotelbar, die kommen nur zum Schlafen." Amerikaner seien großzügig und hinterließen Trinkgeld, Fußballteams unordentlich, Franzosen neigten zum Geiz, aber gefürchtet habe sie sich "vor reichen arabischen Großfamilien. Die reisen mit Hauspersonal an, bleiben für Wochen, gehen den ganzen Tag shoppen und sitzen ansonsten vor dem Fernseher. Sie verrücken die Möbel und werfen Müll auf den Boden." Ana Feory schüttelt noch heute den Kopf, wenn sie an die drei Jahre als Putzfrau denkt. "Es ist unvorstellbar, wie verdreckt und vermüllt manche ihre Zimmer hinterlassen."

Ana Feory sagt, auf den Fluren der Fünf-Sterne-Häuser habe sie sich geschworen: "Darüber schreibst Du ein Buch." Vor ein paar Tagen ist es erschienen, Deutschland, mein Herz schlägt nicht für Dich heißt es. Es ist ein Protokoll aus einer Welt, für die man keinen Blick hat, wenn man sich ein 500-Euro-Zimmer leisten kann. Schlimm seien die rauen Hände gewesen, sagt Feory, die lange von 400 Euro im Monat leben musste. Und die eigene Unsichtbarkeit. Zimmermädchen sind Luft", sagt sie. Es sei ihnen verboten, mit den Gästen zu reden, "aus Schutz vor sexueller Belästigung".

Die Lobby genießen

Feory hat ihren Cappuccino längst ausgetrunken, möchte aber noch einen Moment in der Lobby sitzen bleiben. Sie genießt es, in einem Hotel zu sitzen und nicht abwischen oder saugen zu müssen. "Haben Sie die Toiletten hier gesehen?", fragt sie zum Abschied. "Müssen Sie! Sehr sauber!"

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