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Berufe rund um Ernährung:Auf zum Coach für vegane Küche

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Frische und gesunde Kost liegt im Trend. Dementsprechend wächst die Anzahl der Berufe, die etwas mit Ernährung zu tun haben.

(Foto: imago/Westend61)

Die Anzahl der Ausbildungsangebote zum Thema gesunde Kost steigt. Was deren Qualität und zeitlichen Umfang angeht, gibt es große Unterschiede.

Die Paläo-Diät, angelehnt an die Essgewohnheiten der Steinzeitmenschen. Vegane Ernährung. Oder Flexitarismus - mal Fleisch, mal keines: nur drei von vielen Ernährungstrends. Und ständig gibt es neue. Denn was und wie wir essen, bleibt ein Riesenthema. Für die einen aus Gesundheitsgründen, für die anderen gehört eine bestimmte Ernährung einfach zum Lebensstil.

Ein per Schnellkurs erworbenes Zertifikat ist nicht vergleichbar mit dem Ökotrophologie-Studium

Sie habe sich "schon immer für Ernährung interessiert - und das dann zum Beruf gemacht", sagt Sabine Schartner. Sie betreibt in Rosenheim eine eigene Praxis und verknüpft als ehemalige Leistungssportlerin die Bereiche Ernährungsberatung und Sport. "In meiner Familie wurde viel gekocht, meine Mutter war so etwas wie eine Pionierin in Sachen Vollwertkost. Das hat abgefärbt", erzählt sie. Schartner hat an der Hochschule Fulda Ökotrophologie studiert und sich danach mit einem Zusatzkurs bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zur Ernährungsberaterin qualifiziert. Jetzt macht sie Sport mit Gruppen adipöser Kinder, berät Allergiker in Ernährungsfragen oder therapiert junge Leute - insbesondere Mädchen und Frauen, die unter Magersucht, Bulimie oder einer sogenannten Binge-Eating-Störung leiden - bei diesem Krankheitsbild essen die Patienten riesige Mengen Nahrungsmittel, ohne ihre Essanfälle kontrollieren zu können.

Was der Ernährungsberaterin und Ökotrophologin an ihrem Beruf besonders gefällt: die Vielseitigkeit. "Die Bereiche wechseln ständig", hat sie beobachtet, "noch vor ein paar Jahren waren Nahrungsunverträglichkeiten ein großes Thema, jetzt sind es eher Ess-Störungen." In der Regel übernehmen die Krankenkassen ihrer Patienten zumindest einen Teil des Kurs- oder Beratungshonorars, gerade wenn Kinder und Jugendliche betreut werden. Wenn Sabine Schartner Sportler berät, dann zahlen diese Kunden allerdings privat.

Nicht alle Ernährungsberater haben so eine umfangreiche Ausbildung plus vorheriges Studium hinter sich wie Schartner. "Ernährungsberater kann sich jeder nennen, das ist leider kein geschützter Begriff", sagt Ute Brehme von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Brehme, promovierte Ökotrophologin, sieht Anbieter von Fortbildungskursen, die ihre Kunden binnen kürzester Zeit zum Ernährungsberater machen wollen, kritisch. "Der schnellste Kurs dauert vier Tage und kostet 399 Euro. Bei anderen zieht sich die Fortbildung über drei, sechs, neun oder 14 Monate", berichtet sie. "Diese Zertifikate kann man nicht miteinander vergleichen."

Eben weil die Berufsbezeichnung nicht geschützt ist, könne der Verbraucher nicht erkennen, wie gut oder mangelhaft ausgebildet ein Ernährungsberater wirklich ist. Deshalb führt der Weg zum Ernährungsberater für die DGE über ein Ökotrophologie- oder Ernährungswissenschaftsstudium oder eine Ausbildung zum Diätassistenten. Außerdem braucht es noch eine anerkannte Zusatzqualifikation. Nur bei einem in dieser Weise gestalteten Ausbildungsweg übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen einen Teil der Kosten. Diese Ernährungsberater können dann in Arztpraxen oder Kliniken arbeiten. Sie können auch freiberuflich tätig werden - so wie Sabine Schartner aus Rosenheim.

Einige Fortbildungsinstitute bereiten ihre Teilnehmer ganz gezielt für den zweiten Markt vor, also nicht für die von Krankenkassen bezuschusste Gesundheitsprävention. Günter Sauer hat sich für so einen Kurs entschieden. Nach seinem BWL-Studium war Sauer jahrelang für Siemens in der Personal- und Organisationsentwicklung tätig, bis er sich darüber im Klaren wurde, dass er künftig lieber selbständig arbeiten möchte. Selbst schon seit Jahrzehnten begeisterter Läufer, machte er eine Ausbildung als Lauftherapeut und danach noch eine 14-monatige Fortbildung zum Ernährungscoach. Circa 2700 Euro zahlte er für die Weiterbildung beim IST-Studieninstitut in Düsseldorf. Jetzt berät er in seiner Nürnberger Praxis Abnehmwillige - übrigens meist Frauen - oder auch Hobbysportler, die beispielsweise wissen wollen, wie sie sich ernähren und wie sie trainieren müssen, um einen Halbmarathon unter anderthalb Stunden zu schaffen. Außerdem leitet er im Auftrag eines Bildungsträgers Lauf- und Ernährungstrainings für alleinerziehende Mütter oder konzipiert Gesundheitsprogramme für Firmen. Auf einen Zuschuss ihrer Krankenkasse können seine Kunden nicht hoffen. Aber Sauer ist dennoch gut beschäftigt, die Aufträge kommen rein. Er hat Glück gehabt - und möglicherweise ist sein Erfolg auf die Kombination von Bewegung und Ernährungsberatung zurückzuführen.

Mancher will einfach sein Wissen in einem Bereich vertiefen, der ihn immer schon interessiert hat

Für Simon Kellerhoff vom IST-Studieninstitut ist eines besonders wichtig: "Wir machen den Teilnehmern schon vorher klar, dass sie nur präventiv, nicht kurativ behandeln können." Größtenteils Frauen interessieren sich für Ernährungsberatungsfortbildungen. "Das sind Physiotherapeutinnen, Fitnesstrainerinnen oder auch Hausfrauen, die nach der Kinderpause aus ihrem alten Job aussteigen wollen und sich schon immer mit Ernährung beschäftigt haben", berichtet Kellerhoff. "Viele wollen das Hobby zum Beruf machen."

Manchmal wollen weiterbildungswillige Frauen und Männer einfach etwas für sich tun. Wissen in einem Bereich vertiefen, der sie schon immer gelockt hat. So wie Sergeij Makhno. Der 29-Jährige kocht als stellvertretender Küchendirektor bei einem Catering-Anbieter in Dortmund und hat - zunächst ohne es seinem Arbeitgeber zu sagen - ebenfalls eine 14 Monate dauernde Fortbildung als Ernährungs-Coach gemacht. Hat sich durch zehn Studienhefte geackert, seine Wochenenddienste so gelegt, dass er zu den Präsenztagen an Ort und Stelle sein konnte, asiatische Kochkurse besucht, Grundwissen über Lebensmittelrecht, Nährstoffe und Energiebillanzen gepaukt. Als sein Arbeitgeber davon erfuhr, bekam Makhno ein dickes Lob. Aber weder an seinem Verdienst noch an seinen Arbeitsbedingungen hat sich durch die Fortbildung etwas geändert. Doch das war auch nicht sein Ziel. Makhno: "Ich habe das für mich gemacht, um mehr über Ernährung zu erfahren und mein Wissen vernünftig weitergeben zu können." Seine Kochkurse, die er immer wieder anbietet, sind gut gebucht. Doch ob das daran liegt, dass er dort sein ernährungsberaterisches Fachwissen einfließen lässt, oder ob er in den Kursen einfach Freude am Kochen vermittelt, lässt sich nicht sagen.