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Berufe der Zukunft:Mensch oder Maschine?

Metall- und Elektroindustrie

Viele Berufe, wie Bankkaufmann, haben wohl nicht viel Zukunft. Handwerker oder Erzieher werden auch in den kommenden Jahren voraussichtlich keine Probleme haben, einen Job zu finden.

(Foto: Carsten Rehder/dpa)

Die Digitalisierung und der demografische Wandel verändern die Arbeitswelt. Drei Berufe mit guten Aussichten - und drei, die wahrscheinlich bald verschwinden werden.

Sie erkennen Gesichter, schreiben Artikel, steuern Autos und gewinnen Schachspiele. Maschinen mit künstlicher Intelligenz sind längst nicht mehr nur Fantasien aus Science-Fiction-Filmen. Die Frage ist: Wie verändern sie unser Berufsleben? Nach einer Studie stehen die Deutschen heute Robotern weniger positiv gegenüber als noch vor einigen Jahren. Das gilt vor allem für Maschinen am Arbeitsplatz, wie Psychologen der Universitäten Würzburg und Linz Anfang 2019 berichteten. Aber es ist nicht nur die Digitalisierung, die den Arbeitsmarkt vor Herausforderungen stellt: Drei Berufe mit guten Aussichten und drei, die wahrscheinlich eher früher als später aussterben werden.

Handwerker/Handwerkerin

Viele traditionelle Handwerksberufe sind vom Aussterben bedroht: Buchbinder, Seiler, Schuhmacher, Instrumentenbauer. Für andere Handwerker gilt das nicht, die sind so gut im Geschäft wie vielleicht noch nie. Im Durchschnitt müssen Kunden 4,7 Wochen auf einen Profi warten - wenn es sich nicht um einen Notfall handelt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Bayerischen Handwerkskammern. Weil heute fast jeder studieren möchte, gibt es extrem viele Akademiker auf dem Arbeitsmarkt, in Ausbildungsberufen wird es dagegen knapp. Dem deutschen Handwerk geht es weiterhin gut. Die Auslastung der Betriebe liegt bei 84 Prozent - laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) ein Rekordhoch. Für 2020 rechnet der ZDH mit einer Umsatzsteigerung von etwa drei Prozent - ein Wert, der sich im Vergleich zu anderen Branchen sehen lassen kann.

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Data Scientist

Vom Packsystem im Logistikunternehmen über die Fertigung in der Autofabrik bis zur Pflege der Webseite: Kaum etwas ist in der modernen Arbeitswelt nicht computergesteuert. Und wo ein Computer ist, gibt es auch Daten, und zwar eine ganze Menge. Da braucht es Experten, die den Überblick behalten. An dieser Stelle kommt der Data Scientist ins Spiel, ein relativ neuer Beruf an der Schnittstelle zwischen Informatik und Betriebswirtschaft. Ein Logistiker kann zum Beispiel seine Produktionsabläufe optimieren, wenn ein Data Scientist herausfindet, wo es noch hakt. Mögliche Studiengänge sind Mathematik, Statistik oder Informatik, inzwischen gibt es auch Data-Science-Kurse an vielen Universitäten. Schon 2012 bezeichnete das Magazin Harvard Business Review den Beruf als attraktivsten Job des 21. Jahrhunderts.

Erzieher/Erzieherin

Würde man sein Kind einem Roboter anvertrauen? Vermutlich eher nicht. Anders als in der Pflege, wo vereinzelt schon jetzt Roboter zum Einsatz kommen, ist das in Kitas schwer vorstellbar. Erzieherinnen und Erzieher müssen erst mal keine Angst haben, von Maschinen ersetzt zu werden. Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung fehlen in deutschen Krippen und Kindergärten insgesamt mehr als 100 000 Fachkräfte. Der Bedarf ist groß. Das Problem: Erzieher und Kinderpfleger verdienen im Vergleich zu anderen Berufen relativ wenig. Dazu kommt, dass viele Nachwuchskräfte für ihre Ausbildung immer noch bezahlen müssen. Andere Auszubildende bekommen dagegen Geld in berufsbegleitenden Modellen - auch um Quereinsteiger für den Beruf zu gewinnen. Aber es hat sich laut Bertelsmann-Stiftung im Zuge des Kita-Ausbaus auch einiges getan: Von 2008 bis 2018 ist die Zahl des pädagogischen Personals von etwa 380 000 auf rund 582 000 gestiegen.

Bankkaufmann/Bankkauffrau

Bis zum Jahr 2030 wird die Hypo-Vereinsbank in Deutschland etwa 1300 Arbeitsplätze streichen. Es sind Meldungen wie diese vom Dezember, die nicht gerade Hoffnung verbreiten. Früher begleitete der Bankkaufmann oder die Bankkauffrau Menschen vom ersten Konto über die Baufinanzierung bis hin zur Altersvorsorge. Heute machen immer mehr Filialen dicht, den klassischen Kundenberater gibt es immer seltener. Erst kürzlich hat die Unternehmensberatung Oliver Wyman die Filiallandschaft deutscher Banken und Sparkassen untersucht. Das Ergebnis: Bis 2030 werden 13 000 Standorte schließen. Allein zwischen 2008 und 2018 haben Finanzinstitute hierzulande etwa 12 000 Filialen aufgegeben. Auch wenn es nur einer der Gründe ist: Den Bankensektor kostet die Digitalisierung schon jetzt Arbeitsplätze.

Schäfer/Schäferin

Früher lebten Schäfer vor allem vom Verkauf von Wolle und Fleisch. Heute haben sie mit dem Preisverfall zu kämpfen. Ohne Fördergelder der Europäischen Union können viele nicht mehr überleben. Während 1990 noch mehr als drei Millionen Schafe in Deutschland gezählt wurden, waren es 2018 nur noch etwa 1,6 Millionen. Weil sie nicht mehr von ihrem Beruf leben können, schlagen immer mehr Wanderschäfer Alarm. Aber es geht nicht nur um sie: Schafe leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz. Die weidenden Tiere tragen etwa zum Erhalt der heidetypischen Landschaften bei und sorgen dafür, dass bedrohte Tiere überleben. Schon im Jahr 2016 ist die Zahl der Berufsschäfer in Deutschland erstmals auf unter 1000 gesunken.

Kassierer/Kassiererin

In vielen Super- oder Baumärkten können Kunden bereits selbst kassieren. Nach einer Umfrage nutzen mittlerweile mehr als 30 Millionen Deutsche Selbstbedienungskassen, kurz SB-Kassen. Und es gibt immer mehr Supermärkte, die solche Scanner einsetzen. Braucht es irgendwann überhaupt noch Menschen, die an der Kasse arbeiten? Damit hat sich auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg auseinandergesetzt und für etwa 4000 Jobs ermittelt, ob die jeweiligen Tätigkeiten automatisierbar sind oder nicht. "Der Arbeitsalltag dieses Berufs besteht im Wesentlichen aus zwei verschiedenen Tätigkeiten", heißt es auf der Homepage. Gemeint ist das Scannen und das Kassieren. "100 Prozent könnten schon heute Roboter übernehmen", lautet das nüchterne Urteil.

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Anwaltsbranche

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