Beruf:Welche Probleme ein großer Name im Job mit sich bringt

Lesezeit: 7 min

Für die Karriere kann er Türöffner sein - oder Bürde. Sechs Menschen erzählen.

Von Juliane von Wedemeyer

Man ergreift einen Beruf, gibt sein Bestes, versucht, sich einen Namen zu machen. Was aber, wenn das schon die Generation vorher erledigt hat? Sechs Töchter, Neffen und Söhne, die sich für den selben Beruf wie bekannte Verwandte entschieden haben, erzählen.

Der Politiker

"Natürlich verbinden die meisten Leute mit dem Namen Lambsdorff etwas. Manche glauben, dass man als Adliger ohnehin ein arroganter Schnösel ist, und bei anderen habe ich meines Onkels wegen gleich einen Bonus. Das legt sich in der Regel aber beides, sobald sich die Leute ein realistisches Bild von mir machen können.

Trotzdem ist der Name Lambsdorff wie ein brand, vor allem bei den Älteren. Ich denke, der Name steht für Präzision, Kompetenz, Seriosität. Das möchte ich nicht ändern. Mir ist immer bewusst, dass mein Verhalten in der Öffentlichkeit über meine eigene Person hinaus auch das Ansehen meiner Familie beeinflusst.

Beruf: Alexander Graf Lambsdorff, Jahrgang 1966, ist Vize-Präsident des Europäischen Parlaments und gehört dem FDP- Bundesvorstand an. Sein Onkel ist der frühere Bundeswirtschaftsminister und FDP-Vorsitzende Otto Graf Lambsdorff.

Alexander Graf Lambsdorff, Jahrgang 1966, ist Vize-Präsident des Europäischen Parlaments und gehört dem FDP- Bundesvorstand an. Sein Onkel ist der frühere Bundeswirtschaftsminister und FDP-Vorsitzende Otto Graf Lambsdorff.

(Foto: Foto: Sabine Schründer)

Mein Onkel und ich standen uns sehr nah. Er war mein Patenonkel und wohnte wie ich damals in Bonn. Wir sahen uns regelmäßig, auf Familienfeiern, aber auch auf Parteiveranstaltungen. Ich konnte ihn stets um Rat fragen. Er hat mir beispielsweise mitgegeben, wie wichtig innere Unabhängigkeit für Politik ist. Darum bin ich Diplomat geworden - wie mein Vater Hagen. Das hat mir zehn Jahre großen Spaß gemacht. Und falls es eines Tages mit der Politik vorbei ist, kann ich wieder in diesen Beruf zurückkehren.

Ich denke schon, dass es mit meinem Onkel zu tun hat, dass ich in die FDP eingetreten bin. Den Weg in die Partei hat mir der Name allerdings nicht erleichtert. Als ich 1987 den Mitgliedsantrag abgeschickt hatte, bekam ich monatelang keine Antwort. Und als ich dann beim Kreisverband nachgefragt habe, konnten sie den Antrag nicht finden. Sie hatten ihn verschlampt. Als ich endlich Mitglied war, habe ich selbstverständlich zuerst ehrenamtlich im Ortsvorstand mitgearbeitet, mit allem, was dazu gehört: Plakate kleben, Podiumsdiskussionen, Arbeitskreise.

Mein Onkel ist für mich auf jeden Fall ein politisches Vorbild: Er hat sich nicht verbogen, hatte seine Kanten und war ein Mann der freien Rede. Solche Menschen gibt es heute eher selten in der Politik. Manche Dinge hat er natürlich ganz anders gesehen als ich - gerade in der Europapolitik. Ich wäre zum Beispiel für eine Art europäisches FBI, denn die Terrorbekämpfung ist ein europäisches Problem. Da sehe ich direkt vor mir, wie mein Onkel bei dieser Idee skeptisch seine Augenbrauen über die Brillengläser zieht."

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