Beruf und private Probleme Die Kollegen einweihen

Der Betroffene sollte jedoch darauf achten, dass seine Arbeitsleistung und die seiner Kollegen möglichst nicht unter der Trennung leidet, sagt der Konfliktberater Werner Schienle aus Stuttgart. Keinem sei geholfen, wenn ein Kollege in seiner Arbeit durch die privaten Belange anderer gestört werde. Er empfiehlt daher, die Kollegen etwa in der Mittagspause in das Beziehungsende einzuweihen. Eine gute Alternative sei, das Dienstende abzuwarten und von den Kollegen niemanden auszuschließen. Denn das könne in der Abteilung leicht zu Irritationen führen.

Wer es vor Kummer überhaupt nicht schafft, seine Arbeit zu bewältigen, sollte das Gespräch mit dem Chef suchen, rät Konflikt-Experte Schienle. Wichtig sei dabei, sich realistisch einzuschätzen. Sind die privaten Probleme so groß und die Arbeitsleistung so gering, dass auch ein Kollege davon betroffen ist, sollte man das ehrlich zugeben. "Man kann kein Mitleid erwarten, Verständnis aber schon", erklärt Schienle. Ein guter Chef habe nämlich Spielräume, die er nutzen könne - trotz eigener Interessen und Ziele. Möglich sei etwa, dass der Mitarbeiter für einen bestimmten Zeitraum Verantwortung abtrete. Steht ein größeres Projekt an, könne es gerade jetzt richtig sein, einen jungen Kollegen an Führungsaufgaben heranzuführen. Ist die Krise überwunden, könne der Mitarbeiter dann wieder voll einsteigen. Sich dem Vorgesetzten privat zu öffnen, setze aber stets ein Vertrauensverhältnis voraus.

Nach einer Trennung können einige freie Tage helfen, wichtige Privatsachen zu klären. Dann könne man sich anschließend wieder voll auf den Job konzentrieren, sagt Schienle. Oft stünden organisatorische Dinge wie Wohnungsauflösung, Umzug, Gerichts- und Anwaltstermine oder die Regelung der Kinderbetreuung an. "Das kostet täglich Stunden." Neben der Arbeit bleibe zur Klärung dieser großen Probleme meist keine Zeit.